Die Zukunft der Arbeit

Das Theater Tuchlaube Aarau “setzt sich aus Anlass seines dreifachen Jubiläums in der Spielzeit 2014/2015 mit dem Thema Zukunft auseinander” (Leiter Peter-Jakob Kelting im Editorial des Programms). “Herausgekommen ist ein faszinierendes Kaleidoskop an Analysen, Entwürfen und Prognosen.” (ebd.) Der Datenschützer Hanspeter Thür macht sich mit seinen Beitrag “Auch du bist verdächtig!” für das Grundrecht für Privatsphäre stark. Der Schriftsteller Charles Lewinsky skizziert in “Liebe Donjeta, ein Brief” die (Schreckens-)Vision einer Schweiz ohne Ausländer. Und der Theaterleiter interviewt in “Moralische Maschinen” den Philosophen und Wirtschaftsinformatiker Oliver Bendel zur Maschinenethik, zur sozialen Robotik und zur Zukunft der Arbeit. Das Programm, das im Oktober 2014 als Beilage der Aargauer Zeitung erschienen ist, kann über www.fhnw.ch kostenlos heruntergeladen werden.

Plug Me In

Abb.: Neue Formen der Mensch-Maschine-Interaktion

Fahrerassistenzsysteme für Tiere

Am 9. Oktober 2014 ist der Artikel “Advanced Driver Assistance Systems and Animals” von Oliver Bendel in der Zeitschrift Künstliche Intelligenz erschienen. Im Abstract heißt es: “Advanced driver assistance systems are widely used. Some support and inform the driver. Others relieve him or her of certain tasks – and transform the human-guided system into a semi-autonomous one. For some years also fully autonomous systems have been on the roads, so-called self-driving cars, as prototypes of companies and within research projects. From the perspective of ethics – both of the special fields of ethics like animal ethics, information ethics and technology ethics and of machine ethics which can be understood as a counterpart to human ethics – advanced driver assistance systems raise various questions. The aim of this paper is to derive suggestions from animal ethics and other disciplines for the improvement and development of the systems. The basis are literature analysis and own classifications and considerations. The result is that there are many possibilities to expand existing systems and to develop new functions in the context with the aim to reduce the number of animal victims.” Der Artikel kann über http://www.springer.de bezogen werden.

Machine Medical Ethics

Im September 2014 erscheint das Buch “Machine Medical Ethics”, herausgegeben von Simon Peter van Rysewyk und Matthijs Pontier. Es ist einem Teilgebiet der Maschinenethik und der Medizinethik gewidmet. In der Ankündigung von Springer heißt es: “The essays in this book, written by researchers from both humanities and science, describe various theoretical and experimental approaches to adding medical ethics to a machine, what design features are necessary in order to achieve this, philosophical and practical questions concerning justice, rights, decision-making and responsibility in medical contexts, and accurately modeling essential physician-machine-patient relationships.” Es werden Fragen dieser Art aufgeworfen: “What theory or theories should constrain medical machine conduct? What design features are required? Should machines share responsibility with humans for the ethical consequences of medical actions? How ought clinical relationships involving machines to be modeled? Is a capacity for empathy and emotion detection necessary?” Oliver Bendel geht auf “Surgical, Therapeutic, Nursing and Sex Robots in Machine and Information Ethics” ein. Weitere Essays von KI-Experten, Robotikern, Informatikern und Philosophen sind “Do Machines Have Prima Facie Duties?”, “Moral Ecology Approaches to Machine Ethics” und “Ethics of Robotic Assisted Dying”. Der Herausgeberband kann bei Springer bestellt werden.

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Abb.: Cover des Buchs “Machine Medical Ethics”

Der Begriff der cyber-physischen Systeme

Cyber-physische Systeme sind Systeme, bei denen informations- und softwaretechnische mit mechanischen bzw. elektronischen Komponenten verbunden sind, wobei Datentransfer und -austausch sowie Kontrolle bzw. Steuerung über eine Infrastruktur wie das Internet in Echtzeit erfolgen. Wesentliche Bestandteile sind mobile und bewegliche Einrichtungen, Geräte und Maschinen (darunter auch Roboter), eingebettete Systeme und vernetzte Gegenstände (Internet der Dinge). In der Industrie 4.0 haben cyber-physische Systeme eine zentrale Funktion. Der Beitrag von Oliver Bendel zum Thema ist am 2. September 2014 im Wirtschaftslexikon von Gabler erschienen. Er gibt eine allgemeine Übersicht, geht auf Anwendungsbereiche ein und betrachtet den Gegenstand schließlich, im Rahmen von Kritik und Ausblick, aus dem Blickwinkel der Ethik: “Die Informationsethik untersucht das mögliche Versagen der cyber-physischen Systeme, etwa ihre feindliche Übernahme und ihren selbstverschuldeten Ausfall, in moralischer Beziehung, die Maschinenethik versucht die Entscheidungen der (teil-)autonomen Systeme in moralischer Hinsicht zu verbessern.”

Der Begriff der sozialen Robotik

Die soziale Robotik beschäftigt sich mit (teil-)autonomen Maschinen, die in Befolgung sozialer Regeln mit Menschen interagieren und kommunizieren und zuweilen humanoid bzw. anthropomorph realisiert und mobil sind. Manche Experten lassen in diesem Zusammenhang nur physisch vorhandene Roboter gelten, andere auch virtuell umgesetzte, sogenannte Bots. Soziale Roboter täuschen oft Gefühle vor, und man spricht auch von “emotionaler und sozialer Robotik”. Wenn die Maschinen zu moralisch adäquaten Entscheidungen fähig sein sollen, ist die Maschinenethik gefragt. Der Beitrag von Oliver Bendel zum Thema ist am 2. September 2014 im Wirtschaftslexikon von Gabler erschienen.

FAZ-Forum in Berlin zu Cyber Resilience

Das nächste FAZ-Forum trägt den Titel “Cyber Resilience – Warum Cyber Security nicht mehr ausreicht”. Die Beschreibung hebt an mit folgenden Worten: “Durch die global vernetzten Informationsstrukturen unserer Wirtschaft und Gesellschaft entsteht ein extrem komplexes Geflecht, welches fortwährende Absicherung gegen interne und externe Bedrohungen erfordert. Die Gewährleistung von Cyber-Sicherheit wird zu einer zentralen Herausforderung für Staat, Wirtschaft und Gesellschaft auf nationaler und insbesondere auf globaler Ebene. Einzelne Cyber-Security-Maßnahmen werden in Zukunft nicht mehr ausreichen, diesen Schutz zu gewährleisten. Vielmehr ist der Aufbau einer Cyber Resilience – eines widerstandsfähigen Gesamtsystems, welches Störungen und Angriffe unbeschadet absorbieren kann – unabdingbar.” (Website) Referenten sind u.a. Peter Andres (Leiter Konzernsicherheit, Deutsche Lufthansa AG), Norbert Riedel (Botschafter, Sonderbeauftragter für Cyber-Außenpolitik, Auswärtiges Amt), Christoph Unger (Präsident, Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe) und Oliver Bendel (Professor, Hochschule für Wirtschaft FHNW). Angefragt ist Peter Altmaier (MdB, Chef des Bundeskanzleramts und Bundesminister für besondere Aufgaben). Im Vortrag von Oliver Bendel geht es u.a. um Informationsethik und Maschinenethik. Letztere kann seiner Meinung nach dazu beitragen, die Maschinen sicherer und besser zu machen. Weitere Informationen über http://www.faz-forum.com/cyber-resilience/index.php.

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Abb.: Neue Phänomene brauchen neue Begriffe

Cloud am Steuer

Das selbstständig fahrende Auto findet seinen Weg. Es hupt und weicht aus. Es verhandelt mit anderen Fahrzeugen, es schickt Nachrichten an die Werkstatt und den Hersteller. Wann es wirklich kommt, für die Massen, steht in den Sternen. Auf jeden Fall gibt es manch eine wolkige Aussage dazu. Der Artikel “Cloud am Steuer”, der vor einiger Zeit in der GDI Impuls erschienen ist, kann nun kostenlos heruntergeladen werden. Ein Dank geht an das Gottlieb Duttweiler Institute – und den Autor Christian Rauch. Wenn Roboter über die Straßen steuern, so fragt er, “welche ethischen und rechtlichen Konsequenzen hat das”? Beantwortet wird das – sehr konkret und unwolkig – u.a. von Patrick Lin, Roboter- und Maschinenethiker an der California Polytechnic State University, und Oliver Bendel, Wirtschaftsinformatiker, Informationsethiker und Maschinenethiker an der Hochschule für Wirtschaft FHNW.

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Abb.: New Autonomous Car (aus “Towards Machine Ethics” von Oliver Bendel)

Industrie 4.0

Der Begriff der Industrie 4.0 ist ein Marketingbegriff, der auch in der Wissenschaft und in der Wissenschaftskommunikation verwendet wird, und steht für ein “Zukunftsprojekt” der deutschen Bundesregierung. Die sogenannte vierte industrielle Revolution – darauf spielt die Nummer an – zeichnet sich durch Individualisierung bzw. Hybridisierung der Produkte und die Integration von Kunden und Geschäftspartnern in die Geschäftsprozesse aus. Wesentliche Bestandteile sind eingebettete Systeme sowie (teil-)autonome Maschinen, die sich ohne menschliche Steuerung in und durch Umgebungen bewegen und selbstständig Entscheidungen treffen, und Entwicklungen wie 3D-Drucker. Der Beitrag von Oliver Bendel zum Thema ist am 1. August 2014 im Wirtschaftslexikon von Gabler erschienen. Er gibt eine allgemeine Übersicht, geht auf Anwendungsfelder ein und betrachtet den Gegenstand schließlich, im Rahmen von Kritik und Ausblick, aus dem Blickwinkel der Ethik: “Automatisierte Entscheidungen in moralischer Hinsicht, mithin die damit zusammenhängenden Probleme, sind Thema der Maschinenethik. Die Informationsethik beschäftigt sich damit, dass die Systeme manipuliert und gehackt, dass sie falsche Daten benutzen und falsche Informationen liefern und in feindlicher Weise übernommen werden können.”

Industrie_4_0

Abb.: Alles greift ineinander in der Industrie 4.0

hitchBOT auf Reisen

Können Menschen Robotern vertrauen? Dieser Frage soll im hitchBOT-Projekt nachgegangen werden. Initiiert wurde es von David Harris Smith und Frauke Zeller (Ryerson University, Toronto). Der hitchBOT trägt Gummistiefel und kann digital grinsen. Er steht am Straßenrand und wird von Autofahrern mitgenommen – oder auch nicht. Und er wird von ihnen gut oder schlecht behandelt, gehätschelt und getreten. Auf diese Weise soll er sich durch Kanada bewegen, ohne Steuerung durch eine Zentrale. Die schaut nur immer nach, wo er sich gerade befindet. Ist der Mensch bereit, mit Robotern zusammenzuleben, mit ihnen Zeit zu verbringen und mit ihnen Raum zu teilen? Bald weiß man mehr. Im Juli 2014 geht es los. Das Projekt könnte ein Beitrag zur Roboterethik sein, die auch das Verhalten von Menschen gegenüber Robotern in moralischer Hinsicht thematisiert.

Hitchhiking

Abb.: Traditionelles Hitchhiking

Maschinenethik in der DBW

In der Vorschau der Zeitschrift Die Betriebswirtschaft (DBW) finden sich Hinweise auf die Artikel “Do tax-induced share-deal price discounts exist?” von Markus Diller und Thomas Theelen, “Steueraversion – Sind wir wirklich bereit auf Einkommen zu verzichten, nur um Steuern zu sparen?” von Martin Fochmann und Arne Kleinstück sowie “Wirtschaftliche und technische Implikationen der Maschinenethik” von Oliver Bendel. Es ist höchste Zeit, dass sich BWL und Wirtschaftsinformatik mehr um autonome Maschinen und mobile Roboter kümmern. “Soziale Robotik” und “Industrie 4.0″ sind Buzzwords des Jahres 2014. Maschinenethik und Roboterethik werden in den Medien u.a. im Zusammenhang mit autonomen Autos und Servicerobotern wahrgenommen. Die wirtschaftlichen Implikationen liegen auf der Hand. Die Herausgeber der DBW sind Ingo Balderjahn (Potsdam), Mark Ebers (Köln), Marc Fischer (Köln), Christian Hofmann (München), Georg von Krogh (Zürich), Bernhard Pellens (Bochum), Kerstin Pull (Tübingen), Caren Sureth (Paderborn) und Martin Weber (Mannheim). Erscheinungsdatum der genannten Ausgabe ist der 1. August 2014.

Medical bot with pill

Abb.: Der Pflegeroboter bringt die Tablette