Industrie 4.0

Der Begriff der Industrie 4.0 ist ein Marketingbegriff, der auch in der Wissenschaft und in der Wissenschaftskommunikation verwendet wird, und steht für ein “Zukunftsprojekt” der deutschen Bundesregierung. Die sogenannte vierte industrielle Revolution – darauf spielt die Nummer an – zeichnet sich durch Individualisierung bzw. Hybridisierung der Produkte und die Integration von Kunden und Geschäftspartnern in die Geschäftsprozesse aus. Wesentliche Bestandteile sind eingebettete Systeme sowie (teil-)autonome Maschinen, die sich ohne menschliche Steuerung in und durch Umgebungen bewegen und selbstständig Entscheidungen treffen, und Entwicklungen wie 3D-Drucker. Der Lexikonbeitrag von Oliver Bendel zum Thema ist am 1. August 2014 im Wirtschaftslexikon von Gabler erschienen. Er gibt eine allgemeine Übersicht, geht auf Anwendungsfelder ein und betrachtet den Gegenstand schließlich, im Rahmen von Kritik und Ausblick, aus dem Blickwinkel der Ethik: “Automatisierte Entscheidungen in moralischer Hinsicht, mithin die damit zusammenhängenden Probleme, sind Thema der Maschinenethik. Die Informationsethik beschäftigt sich damit, dass die Systeme manipuliert und gehackt, dass sie falsche Daten benutzen und falsche Informationen liefern und in feindlicher Weise übernommen werden können.”

Industrie_4_0

Abb.: Alles greift ineinander in der Industrie 4.0

hitchBOT auf Reisen

Können Menschen Robotern vertrauen? Dieser Frage soll im hitchBOT-Projekt nachgegangen werden. Initiiert wurde es von David Harris Smith und Frauke Zeller (Ryerson University, Toronto). Der hitchBOT trägt Gummistiefel und kann digital grinsen. Er steht am Straßenrand und wird von Autofahrern mitgenommen – oder auch nicht. Und er wird von ihnen gut oder schlecht behandelt, gehätschelt und getreten. Auf diese Weise soll er sich durch Kanada bewegen, ohne Steuerung durch eine Zentrale. Die schaut nur immer nach, wo er sich gerade befindet. Ist der Mensch bereit, mit Robotern zusammenzuleben, mit ihnen Zeit zu verbringen und mit ihnen Raum zu teilen? Bald weiß man mehr. Im Juli 2014 geht es los. Das Projekt könnte ein Beitrag zur Roboterethik sein, die auch das Verhalten von Menschen gegenüber Robotern in moralischer Hinsicht thematisiert.

Hitchhiking

Abb.: Traditionelles Hitchhiking

Maschinenethik in der DBW

In der Vorschau der Zeitschrift Die Betriebswirtschaft (DBW) finden sich Hinweise auf die Artikel “Do tax-induced share-deal price discounts exist?” von Markus Diller und Thomas Theelen, “Steueraversion – Sind wir wirklich bereit auf Einkommen zu verzichten, nur um Steuern zu sparen?” von Martin Fochmann und Arne Kleinstück sowie “Wirtschaftliche und technische Implikationen der Maschinenethik” von Oliver Bendel. Es ist höchste Zeit, dass sich BWL und Wirtschaftsinformatik mehr um autonome Maschinen und mobile Roboter kümmern. “Soziale Robotik” und “Industrie 4.0″ sind Buzzwords des Jahres 2014. Maschinenethik und Roboterethik werden in den Medien u.a. im Zusammenhang mit autonomen Autos und Servicerobotern wahrgenommen. Die wirtschaftlichen Implikationen liegen auf der Hand. Die Herausgeber der DBW sind Ingo Balderjahn (Potsdam), Mark Ebers (Köln), Marc Fischer (Köln), Christian Hofmann (München), Georg von Krogh (Zürich), Bernhard Pellens (Bochum), Kerstin Pull (Tübingen), Caren Sureth (Paderborn) und Martin Weber (Mannheim). Erscheinungsdatum der genannten Ausgabe ist der 1. August 2014.

Medical bot with pill

Abb.: Der Pflegeroboter bringt die Tablette

20 Artikel zur Maschinenethik

Im Folgenden eine Zusammenstellung von 20 Artikeln, die Oliver Bendel von 2012 – 2014 zur Maschinenethik und zur Roboterethik geschrieben hat. Fast alle sind online verfügbar und hier verlinkt. Beiträge zur Informationsethik sind an dieser Stelle nicht aufgeführt.

Bendel, Oliver. Wirtschaftliche und technische Implikationen der Maschinenethik. In: Die Betriebswirtschaft, 4/2014. S. 237 – 248.

Bendel, Oliver. Towards Machine Ethics. In: Technology Assessment and Policy Areas of Great Transitions. 1st PACITA Project Conference, March 13 – 15, 2013. Prague, Czech Republic. S. 321 – 326. Auch als PDF erhältlich.

Bendel, Oliver. Human Enhancement. Beitrag für das Gabler Wirtschaftslexikon. Gabler/Springer, Wiesbaden 2014. Über http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/human-enhancement.html.

Bendel, Oliver. Maschinenethik in der Industrie 4.0: Plädoyer für einfache moralische Maschinen. In: Wissenschaftsjahr 2014 – Die Digitale Gesellschaft, 12. Juni 2014. Über http://www.digital-ist.de/experten-blog/maschinenethik-in-der-industrie-40.html.

Bendel, Oliver. Für wen bremst das Roboterauto? In: Computerworld.ch, 16. Mai 2014. Über http://www.computerworld.ch/marktanalysen/studien-analysen/artikel/.

Bendel, Oliver. Fahrerassistenzsysteme aus ethischer Sicht. In: Zeitschrift für Verkehrssicherheit, 2/2014. S. 108 – 110.

Bendel, Oliver. Das Tier als Objekt der Moral der Maschine: Zum Verhältnis von Tier- und Maschinenethik. In: Telepolis, 2. Januar 2014. Über http://www.heise.de/tp/artikel/40/40684/.

Bendel, Oliver. Considerations about the Relationship between Animal and Machine Ethics. In: AI & SOCIETY, Dezember 2013 (“Online-First”-Artikel auf SpringerLink).

Bendel, Oliver. Ich bremse auch für Tiere: Überlegungen zu einfachen moralischen Maschinen. In: inside-it.ch, 4. Dezember 2013. Über http://www.inside-it.ch/articles/34646.

Bendel, Oliver. Buridans Robot: Überlegungen zu maschinellen Dilemmata. In: Telepolis, 20. November 2013. Über http://www.heise.de/tp/artikel/40/40328/1.html.

Bendel, Oliver. Der Lügenbot und andere Münchhausen-Maschinen. In: CyberPress, 11. September 2013. Über http://cyberpress.de/wiki/Maschinenethik.

Bendel, Oliver. Dr. Robot entdeckt die Moral: Maschinen- und Menschenethik im Gesundheitsbereich. In: IT for Health, 02/2013. S. 2 – 4. Auch als PDF erhältlich.

Bendel, Oliver. Einfache moralische Maschinen. In: KMU Business World, 30. August 2013. Über http://www.kmu-businessworld.ch/de/content/einfache-moralische-maschinen.

Bendel, Oliver. Asimovs Automatobile: Selbstständig fahrende Autos in Fiktion und Realität und als Gegenstand der Maschinenethik. In: Telepolis, 27. August 2013. Über http://www.heise.de/tp/artikel/39/39728/1.html.

Bendel, Oliver. Roboterethik. Beitrag für das Gabler Wirtschaftslexikon. Gabler/Springer, Wiesbaden 2013. Über http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/roboterethik.html.

Bendel, Oliver. Good bot, bad bot: Dialog zwischen Mensch und Maschine. In: UnternehmerZeitung, 7 (2013) 19. S. 30 – 31. Auch als PDF erhältlich.

Bendel, Oliver. Über gute und böse Maschinen: Möglichkeiten und Grenzen der Maschinenethik. In: ICTkommunikation, 5/2013. S. 28 – 30. Auch als PDF erhältlich.

Bendel, Oliver. Towards a machine ethics. In: Technology Assessment and Policy Areas of Great Transitions: Book of Abstracts. 1st PACITA Project Conference, March 13 – 15, 2013. Prague, Czech Republic. pp. 229 – 230. Über http://pacita.strast.cz/en/conference/documents.

Bendel, Oliver. Die Moral der Maschinen: Überlegungen zur Maschinenethik. In: inside-it.ch, 24. Oktober 2012. Über http://www.inside-it.ch/articles/30517.

Bendel, Oliver. Maschinenethik. Beitrag für das Gabler Wirtschaftslexikon. Gabler/Springer, Wiesbaden 2012. Über http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/maschinenethik.html.

Proceedings der TA-Konferenz

Zur ersten europäischen Tagung zur Technologiefolgenabschätzung sind im Juli 2014 die Proceedings erschienen. Sie können über die PACITA-Website kostenlos als PDF heruntergeladen werden und haben ca. 440 Seiten. Die von der EU getragene Konferenz fand im März 2013 in Prag statt. Im Buch ist, was ethische Fragen angeht, insbesondere “Part V – Facing New and Emerging Technologies” relevant. Von Marie-des-Neiges Ruffo stammt der Beitrag “Why Autonomous Unmanned Aerial Vehicles Will Lose the War”, von Oliver Bendel “Towards Machine Ethics” (Kapitel “Emerging Technologies and Ethics”). Im Kapitel “Privacy Aspects” finden sich u.a. die Beiträge “Locating, Tracking and Tracing” von Lorenz M. Hilty et al. und “Privacy Aspects of Social Networks – An Overview” von Stefan Strauß und Michael Nentwich. Der Band kann auch in gedruckter Form erworben werden. Weitere Informationen über die PACITA-Website.

Drohne

Abb.: Drohne im Anflug

Der künstlicher werdende Mensch

Human Enhancement, die Erweiterung und Verbesserung des Menschen mit Hilfe biologischer und technischer Mittel, kann aus der Perspektive der Medizin, der Künstlichen Intelligenz, der Robotik und der Informatik betrieben bzw. thematisiert werden. Verschiedene Bereichsethiken können nach Chancen und Risiken in moralischer Hinsicht fragen. Die Informationsethik ist gefordert, wenn die Entwicklung von der Informatik ausgeht. Mit ihr kann man Fragen des Datenschutzes, der informationellen und persönlichen Autonomie und der Kontrolle des Menschen mithilfe von Hacking und Manipulation beantworten. Auch die Maschinenethik ist in verschiedener Weise von Relevanz. Der Beitrag von Oliver Bendel zum Thema ist im Juli 2013 im Wirtschaftslexikon von Gabler erschienen. Er gibt eine allgemeine Übersicht, geht auf Verfahren und Methoden ein und nimmt am Ende, im Rahmen von Kritik und Ausblick, den Blickwinkel der Ethik ein: “Damit Menschen- und Tierwürde nicht verletzt und Manipulation und Instrumentalisierung von Körper bzw. Geist nicht zur unhinterfragten Norm werden, bedarf es moralischer und ethischer Diskussionen (auch aus der Wirtschaftsethik heraus) ebenso wie rechtlicher Anpassungen.”

Beautiful cyber woman

Abb.: Brillencyborg

Roboterautos bei Asimov

Im Sommer 2013 wurde der Artikel “Asimovs Automatobile: Selbstständig fahrende Autos in Fiktion und Realität und als Gegenstand der Maschinenethik” von Oliver Bendel in der Online-Zeitschrift Telepolis (über http://www.heise.de/tp/artikel/39/39728/1.html) veröffentlicht. Er nimmt Bezug auf einen anderen Artikel, der 2012 mitsamt einer Geschichte um den New Autonomous Car (NAC) erschienen war, und auf einen Konferenzbeitrag aus dem selben Jahr (Abstract über http://pacita.strast.cz/en/conference/documents). Unter dem Titel “Asimov’s Amazing Automatobiles” wurde der Artikel nun in englischer Sprache zur Verfügung gestellt. Der Teaser deutet an, worum es im Kern geht: “In his short story ‘Sally’ from 1953, Isaac Asimov envisioned the functions, chances and risks of unmanned, self-driving cars. Now, advanced driver assistance systems increasingly take over actions from the driver, and fully autonomous prototypes seek to become an everyday feature on our roads. Asimov’s story already confronts the reader with some problems discussed in machine ethics today.” Die Geschichte von Asimov wird zusammengefasst und in Beziehung zur Geschichte von NAC gesetzt. Den Artikel kann man auf Crazy Processes lesen.

Cars

Abb.: Einer wird gewinnen

Industrie 4.0 im Wissenschaftsjahr 2014 der Bundesregierung

Das deutsche Bundesministerium für Bildung und Forschung führt derzeit das Projekt Wissenschaftsjahr 2014 durch und betreibt die dazugehörige Website http://www.digital-ist.de. Für diese wurden Experten angefragt, die sich zu aktuellen Themen äußern und ihre eigene Forschung vorstellen, zur Industrie 4.0 etwa Reimund Neugebauer (Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft), Klaus Mainzer (Ordinarius am Lehrstuhl für Philosophie und Wissenschaftstheorie der TU München und Wissenschaftlicher Direktor der Carl von Linde-Akademie) und Oliver Bendel (Professor für Wirtschaftsinformatik und Informationsethik an der Hochschule für Wirtschaft FHNW). Der Beitrag “Maschinenethik in der Industrie 4.0: Plädoyer für einfache moralische Maschinen” von Oliver Bendel beginnt mit den Worten: “Die Roboter sind unter uns. In unseren Wohnungen, als Fensterputz- und Staubsaugerroboter, in unseren Straßen, als Fahrerassistenzsysteme und selbstständig fahrende Autos, in der Luft, als zivile und militärische Drohnen – und in unseren Fabriken, wo sie ihre angestammten Plätze verlassen und sich unter die Arbeiterinnen und Arbeiter mischen. Sie sind ferngesteuert, (teil-)autonom und mehr oder weniger intelligent. Man kann sie verbieten und bekriegen. Oder in soziale und moralische Maschinen verwandeln.” Weiter im Text über http://www.digital-ist.de/experten-blog/maschinenethik-in-der-industrie-40.html.

When robots take selfies

“People take selfies with smartphones and digital cameras (or even with flying robots), and share them on social media, blogs, microblogs and image platforms for social purposes, and though selfies may just be a trend, they say a lot about the narcissism of people and the zeitgeist of the media age.” Mit diesen Worten beginnt ein Artikel von Oliver Bendel, der am 9. Juni 2014 auf Robohub erschienen ist. Es geht um Roboter, die Selfies machen, um die Frage, warum sie dies tun (und warum sie dies in Zukunft noch mehr tun werden). Mit diesen unveröffentlichten Zeilen kann man sich auf die Selfies besonderer Art einstimmen: “In 2012, Curiosity impressed us with high definition and complex beauty. A Martian mountain rises behind the robot. On the dusty ground we note the tire imprints. According to the author of that article, the photo on the website was taken by one of the robot’s arms. A selfie par excellence. An earlier Mars discovery vehicle had to rely on a few tricks. The camera of Viking 2 is installed fix but can benefit from the difference in altitude. Almost intimate regions are disclosed. No wonder – this was back in the year of 1976. The robots showed their favorite side not only on the Mars. They took selfies also on Venus, Venera 13 gave one example in 1982. In the background we see the planet that used to be called Lucifer in the past. Today, it is still greeted as morning star or evening star, depending on the time of day. The part of the machine visible between the camera and the rocky surface seems like an aureole or a sprocket. It is the teethed landing apparatus that has come into sight almost by accident. Hayabusa chose a particularly beautiful version in 2005. When the vehicle reached the potato-shaped asteroid Itokawa it had the sun in its back. It lost no time and captivated its shadow which reminds us of the Japanese flag or a Roman catamaran from the Punic Wars.”

Das automatische Auto

“Das automatische Auto ist keine Utopie mehr. In den nächsten Jahren werden die Fahrzeuge selbst immer mehr jener Aufgaben übernehmen, die bislang von den menschlichen Fahrern erledigt wurden.” Dies schreibt Christian Rauch in seinem Artikel “Cloud am Steuer” für die GDI Impuls 2/2014. Doch wenn Roboter über die Straßen steuern, so fragt er weiter, “welche ethischen und rechtlichen Konsequenzen hat das”? Beantwortet wird das u.a. von Patrick Lin, Roboter- und Maschinenethiker an der California Polytechnic State University, und Oliver Bendel, Wirtschaftsinformatiker und Maschinenethiker an der Hochschule für Wirtschaft FHNW. Der Artikel kann über GENIOS bezogen werden, die ganze Zeitschrift auch über http://www.gdi.ch.

Führerschein

Abb.: Braucht es zukünftig noch einen Führerschein?