Moral für die Maschine

Im Handelsblatt ist am 28. Januar 2015 ein Beitrag zu selbstständig fahrenden Autos erschienen. Insbesondere wird nach den moralischen Entscheidungen gefragt. Der Artikel von Holger Holzer mit dem Titel “Wer programmiert die Moral für die Maschine?” beginnt mit den Sätzen: “Unsere Autos werden mit zunehmender Autonomie künftig auch über Leben und Tod von Menschen entscheiden müssen. Doch nach welchen Regeln soll das geschehen? Die Diskussion dazu hat gerade erst begonnen.” Zu Wort kommen u.a. Daimler-Chef Dieter Zetsche und Maschinenethiker Oliver Bendel. Zetsche “forderte erst kürzlich eine ethische Debatte über Roboterautos und die branchenübergreifende Suche nach einem geeigneten Entscheidungs-Algorithmus”. Bendel ist skeptischer und schlägt vor, die Maschinen in zu komplexen Situationen nicht selbstständig entscheiden zu lassen. Zudem will er die autonomen Autos in festgelegte Bereiche verbannen. Sven Hötitzsch, Experte für Roboterrecht, beantwortet die Schuldfrage im juristischen Sinne. Der Artikel kann über www.handelsblatt.com/auto/nachrichten/autonome-fahrzeuge-wer-programmiert-die-moral-fuer-die-maschine/11295740.html abgerufen werden.

Japan fördert Robotik

Japan ist berühmt für seine spektakulären Roboter. Anscheinend will man nun den Schwerpunkt auf alltagstaugliche Maschinen legen. Anfang 2015 wurde ein Fünf-Jahres-Plan verabschiedet, wie heise.de meldet. “Ziel ist es, den Markt für Industrieroboter bis 2020 auf 1,2 Billionen Yen (9 Milliarden Euro) zu verdoppeln.” (Website heise.de) Roboter sollen laut der Plattform speziell in den Bereichen gefördert werden, die in Folge der Überalterung der japanischen Gesellschaft mit einem Arbeitskräftemangel zu kämpfen haben. So entstehen in der Zukunft neuartige Operations-, Pflege- und Therapieroboter sowie Maschinen, die Straßen und Brücken inspizieren und instandsetzen. Auch die Landwirtschaft ist im Fokus des Programms. Obst ernten, Unkraut beseitigen, Tiere vor dem Mähdrescher bewahren – es gibt viel zu tun. Wenn die Roboter derart in Gesellschaft und Wirtschaft vordringen, braucht es die soziale Robotik ebenso wie die Maschinenethik. In diesen Disziplinen hat Japan noch einigen Aufholbedarf, und man darf gespannt sein, wie sich die Wissenschaftler diesen Herausforderungen stellen. Weitere Informationen über www.heise.de/newsticker/meldung/Japan-gibt-Startschuss-zur-Roboter-Revolution-2527406.html.

Android Robot standing with flag of Japan

Abb.: Roboter in Japan

Autos und Cyborgs

“Im Auto sind jetzt schon alle Cyborgs” – dies ist der Titel einer Tagung, die am 12. März 2015 im Pro Iure Auditorium der Juristischen Fakultät der Universität Basel stattfindet. Es geht – so verrät der Untertitel – um Perspektiven der Mensch-Roboter-Kombination in Fahrzeugen. Im Informationsblatt heißt es: “Der Workshop analysiert die Schnittstelle von Mensch und Technik am Beispiel autonomer Fahrzeuge unter verschiedenen Gesichtspunkten: Das erste Panel analysiert Haftungskonzepte für den Einsatz von Robotern – ausgehend von der Prämisse, dass der Rechtssicherheit eine Schlüsselrolle für die gesellschaftliche Nutzung von Innovationen zukommt. Gegenstand des zweiten Panels ist die Wechselwirkung zwischen Technik und Rechtsentwicklung sowie Umwälzungen in der Versicherung.” Das dritte Panel beleuchte sowohl grundsätzliche als auch disziplinübergreifende Aspekte der Automatisierung im Straßenverkehr. Die Tagung ist kostenlos. Um Anmeldung bis zum 4. März 2015 wird gebeten, per E-Mail über LstZech-ius(at)unibas.ch.

Ethics of UAS

Das Department of Aerospace Engineering der Pennsylvania State University (www.psu.edu) schreibt eine “Faculty position in Engineering and Ethics of Unmanned Aircraft Systems” aus. Zu den Unmanned Aircraft Systems gehören Unmanned Aerial Vehicles, ferngesteuerte oder (teil-)autonome Drohnen. In der Annonce, die maschinenethik.net zur Verfügung gestellt wurde, heißt es: “The research area represented by this search could be viewed as a special aspect of a broader one at the intersection of robotics, autonomy, and ethics. Applicants must have an earned doctorate in aerospace engineering or a related field; at least one degree in aerospace engineering or related experience is preferred.” Der Leiter der Einrichtung, Professor George A. Lesieutre, nennt auf Nachfrage mögliche Forschungsfragen: “For what purposes should we deploy such vehicles, (or not) and what decisions should we permit them to make on our behalf?” Weitere Informationen über www.aero.psu.edu.

Support für Robohub

Robohub (robohub.org) sucht Unterstützerinnen und Unterstützer, die dabei mithelfen, mit einem kleinen oder großen Beitrag die Qualität und die Existenz der Plattform zu sichern. Diese ist einem breiten Publikum auf der ganzen Welt bekannt. Mit Hilfe von Grafiken und Videos wird die Robotik anschaulich gemacht. Experten aus Robotik, Informatik und Ethik tragen mit ihren Artikeln und Ergebnissen bei. In einer E-Mail an die Community heißt es: “Robohub’s readership has steadily grown since its launch in the fall of 2012 – we now count around 65K unique readers every month. Our content is viewed by even more people off-site, including more than 625K followers on Google+, and has been picked up by mainstream news sites such as The New York Times, Forbes, BBC, Der Spiegel, and many, many more.” Robohub hat seinen Sitz in der Schweiz und wird von der Gebert Rüf Stiftung mitfinanziert. Insbesondere das Editieren ist von weiteren Mitteln abhängig. Weitere Informationen über robohub.org/donate/.

robohub

Abb.: Ein Mitarbeiter von Robohub (Quelle: Robohub)

30 Beiträge zur Maschinenethik

Im Folgenden eine Zusammenstellung von 30 Artikeln und Buchbeiträgen, die Oliver Bendel seit 2012 zur Maschinenethik und zu verwandten Bereichen geschrieben hat. Die meisten sind online verfügbar (manche über Fachdatenbanken wie WISO). Publikationen zur Informationsethik sind an dieser Stelle nicht aufgeführt.

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Abb.: Comic von Reza Farazmand (Quelle: http://poorlydrawnlines.com)

Die Roboter sind unter uns. In: Netzwoche, 22 (2014). S. 28. Auch als PDF erhältlich.

Advanced Driver Assistance Systems and Animals. In: Künstliche Intelligenz, Volume 28, Issue 4 (2014). S. 263 – 269.

Surgical, Therapeutic, Nursing and Sex Robots in Machine and Information Ethics. In: van Rysewyk, Simon Peter; Pontier, Matthijs. Machine Medical Ethics. Series: Intelligent Systems, Control and Automation: Science and Engineering. Springer, Berlin, New York 2014.

Wirtschaftliche und technische Implikationen der Maschinenethik. In: Die Betriebswirtschaft, 4/2014. S. 237 – 248.

Towards Machine Ethics. In: Technology Assessment and Policy Areas of Great Transitions. 1st PACITA Project Conference, March 13 – 15, 2013. Prague, Czech Republic. S. 321 – 326. Auch als PDF erhältlich.

Maschinenethik in der Industrie 4.0: Plädoyer für einfache moralische Maschinen. In: Wissenschaftsjahr 2014 – Die Digitale Gesellschaft, 12. Juni 2014. Über http://www.digital-ist.de/experten-blog/maschinenethik-in-der-industrie-40.html.

Robot selfies, and the road to self-recognition. In: Robohub, 9. Juni 2014. Über http://robohub.org/robot-selfies-and-the-road-to-self-recognition/.

Für wen bremst das Roboterauto? In: Computerworld.ch, 16. Mai 2014. Über http://www.computerworld.ch/marktanalysen/studien-analysen/artikel/.

Fahrerassistenzsysteme aus ethischer Sicht. In: Zeitschrift für Verkehrssicherheit, 2/2014. S. 108 – 110.

Wenn Roboter Selfies schiessen. In: ICTkommunikation (Online-Ausgabe), 8. April 2014. Über http://ictk.ch/content/wenn-roboter-selfies-schiessen.

Das Tier als Objekt der Moral der Maschine: Zum Verhältnis von Tier- und Maschinenethik. In: Telepolis, 2. Januar 2014. Über http://www.heise.de/tp/artikel/40/40684/.

Considerations about the Relationship between Animal and Machine Ethics. In: AI & SOCIETY, Dezember 2013 (“Online-First”-Artikel auf SpringerLink).

Ich bremse auch für Tiere: Überlegungen zu einfachen moralischen Maschinen. In: inside-it.ch, 4. Dezember 2013. Über http://www.inside-it.ch/articles/34646.

Buridans Robot: Überlegungen zu maschinellen Dilemmata. In: Telepolis, 20. November 2013. Über http://www.heise.de/tp/artikel/40/40328/1.html.

Der Lügenbot und andere Münchhausen-Maschinen. In: CyberPress, 11. September 2013. Über http://cyberpress.de/wiki/Maschinenethik.

Dr. Robot entdeckt die Moral: Maschinen- und Menschenethik im Gesundheitsbereich. In: IT for Health, 02/2013. S. 2 – 4. Auch als PDF erhältlich.

Einfache moralische Maschinen. In: KMU Business World, 30. August 2013. Über http://www.kmu-businessworld.ch/de/content/einfache-moralische-maschinen.

Asimovs Automatobile: Selbstständig fahrende Autos in Fiktion und Realität und als Gegenstand der Maschinenethik. In: Telepolis, 27. August 2013. Über http://www.heise.de/tp/artikel/39/39728/1.html.

Good bot, bad bot: Dialog zwischen Mensch und Maschine. In: UnternehmerZeitung, 7 (2013) 19. S. 30 – 31. Auch als PDF erhältlich.

Über gute und böse Maschinen: Möglichkeiten und Grenzen der Maschinenethik. In: ICTkommunikation, 5/2013. S. 28 – 30. Auch als PDF erhältlich.

Towards a machine ethics. In: Technology Assessment and Policy Areas of Great Transitions: Book of Abstracts. 1st PACITA Project Conference, March 13 – 15, 2013. Prague, Czech Republic. pp. 229 – 230. Über http://pacita.strast.cz/en/conference/documents.

Die Moral der Maschinen: Überlegungen zur Maschinenethik. In: inside-it.ch, 24. Oktober 2012. Über http://www.inside-it.ch/articles/30517.

Bendel, Oliver. “Siri ist hier.”: Der Sprachassistent von Apple in der Schweiz aus linguistischer und ethischer Sicht. In: mediensprache.net. Juli 2012. Über http://www.mediensprache.net.

Maschinenethik, Roboterethik, Fahrerassistenzsystem, Industrie 4.0, Cyber-physische Systeme, Soziale Robotik, Mensch-Maschine-Interaktion. Beiträge für das Gabler Wirtschaftslexikon. Gabler/Springer, Wiesbaden 2012. Über http://wirtschaftslexikon.gabler.de.

Gute Roboter

“Serviceroboter sind in etlichen Ausführungen erhältlich. Haushalts- und Gartenroboter erobern die Wohnviertel, Pflege- und Therapieroboter die Krankenhäuser und Altenheime. Sie unterstützen und sie überwachen uns. Und sie ersetzen uns allmählich.” Mit diesen Worten beginnnt der Artikel “Die Roboter sind unter uns” von Oliver Bendel in der Netzwoche vom 3. Dezember 2014. In der letzten Ausgabe des Jahres dreht es sich um die Trends des Jahres 2015. Als Wirtschaftsinformatiker und Ethiker sieht Oliver Bendel durchaus positive Aspekte von Jaco, Qrio und Pepper – und natürlich von LADYBIRD, einem Saugroboter, der keine Krabbeltiere tötet. Als Informationsethiker weist er aber eben auch darauf hin, dass die “künstlichen Kreaturen” uns überwachen: “Wenn sie mit Sensoren ausgestattet sind, wenn sie über Intelligenz und Erinnerungsvermögen verfügen, werden sie nach und nach zu allwissenden Begleitern.” Entsprechend ist die Informationsethik zur Reflexion der Probleme gefragt. Und die Maschinenethik, um die Serviceroboter in moralische Maschinen zu verwandeln. Der Artikel ist über die Website der Hochschule für Wirtschaft FHNW kostenlos zu beziehen.

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Abb.: LADYBIRD wird immer bekannter

AI and Ethics

In Austin (Texas, USA) finden vom 25. bis 26. Januar 2015 die “Workshops at the Twenty-Ninth AAAI Conference on Artificial Intelligence (AAAI-15)” statt. Auf der Website werden zum “W01 – AI and Ethics” mediale Aussagen wie “Artificial Intelligence Is Changing the World, and Humankind Must Adapt” und “Physicist Louis Del Monte believes that by 2045 machines will threaten human survival” zitiert. Vor diesem Hintergrund heißt es: “The goal of this workshop is to provide a forum to discuss the ethical questions implicit in such headlines, which go to the centre of the quest to build AI systems with potentially super-human intelligence.” Es werden sowohl informations- und technikethische als auch maschinenethische Bereiche behandelt, z.B. “AI as a threat to or saviour for humanity”, “Safeguards necessary within AI research”, “Autonomous agents in the military”, “Autonomous agents in commerce and other domains” und “Mechanisms to ensure moral behaviours in AI systems”. Weitere Informationen sind über www.aaai.org/Workshops/ws15workshops.php erhältlich.

ROBOCAR

Selbstständig fahrende Autos (Roboterautos) und Fahrerassistenzsysteme (FAS) können dabei helfen, Verletzungen zu vermeiden und Leben zu retten. Wenn sie sich in moralisch relevanten Kontexten entscheiden müssen, können sie als moralische Maschinen angesehen und in der Maschinenethik untersucht und entworfen werden. Einfache moralische Maschinen sind ohne weiteres möglich und durchaus sinnvoll. Sie unterscheiden zwischen unterschiedlichen moralischen Objekten wie Menschen und Tieren und bewahren sie vor Unfällen. Oliver Bendel hat in verschiedenen Artikeln die technischen und philosophischen Möglichkeiten aufgezeigt, etwa in “Advanced Driver Assistance Systems and Animals” (Künstliche Intelligenz, 2014), “Wirtschaftliche und technische Implikationen der Maschinenethik” (Die Betriebswirtschaft, 2014), “Für wen bremst das Roboterauto?” (Computerworld.ch, 2014), “Fahrerassistenzsysteme aus ethischer Sicht” (Zeitschrift für Verkehrssicherheit, 2014), “Das Tier als Objekt der Moral der Maschine” (Telepolis, 2014), “Considerations about the Relationship between Animal and Machine Ethics” (AI & Society, 2013) und “Ich bremse auch für Tiere” (inside-it.ch,  2013). Aktuell arbeitet er an Designstudien zu Roboterautos wie ROBOCAR und zu mit Automaten ausgestatteten Fahrzeugen. Er schlägt vor, dass sie auf dem Standstreifen der Autobahnen fahren und untereinander sowie mit Autos mit FAS auf der normalen Straße vernetzt sind.

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Abb.: ROBOCAR in Aktion

Das Zähmen der Maschinen

“Das Zähmen der Maschinen” ist der Titel eines Artikels von Danja Nüesch für SRF, Schweizer Radio und Fernsehen. Behandelt werden die Themen der Maschinenethik, auf der Grundlage eines Interviews mit Oliver Bendel. Der Professor für Wirtschaftsinformatik und Informationsethik an der Hochschule für Wirtschaft FHNW treibt auch Maschinenethik. Er spricht sich für einfache moralische Maschinen aus. Seine Paradebeispiele sind der GOODBOT, ein verbesserter Chatbot, und Ladybird, ein tierfreundlicher Saugroboter. Auch tierfreundliche Windkraftanlagen und waffenfeindliche 3D-Drucker werden angeführt. Von komplexen moralischen Maschinen rät Oliver Bendel eher ab. Die militärische Drohne sollte ebenso wie das selbstständig fahrende Auto bestimmte Entscheidungen den Menschen überlassen. Diese müssen also, als Soldaten, Insassen etc., intervenieren können. Nichts spricht dagegen, dass sich Roboterautos oder Fahrerassistenzsysteme in klar abgrenzbaren Situationen mit nur wenigen Optionen moralisch verhalten. Zum Beispiel kann – wie der Experte verschiedenenorts argumentiert – automatisch für ein Tier gebremst werden, wenn kein Hintermann zu sehen ist. Der Beitrag kann über www.srf.ch/kultur/gesellschaft-religion/das-zaehmen-der-maschinen aufgerufen werden.

Isolated wind turbines

Abb.: Noch nicht tierfreundliche Windkraftanlagen