Lexikon zu Informations- und Maschinenethik

Ein neues Springer-Lexikon mit dem Titel „300 Keywords Informationsethik“ erscheint im November 2015. Oliver Bendel, Wirtschaftsinformatiker, Informationsethiker und Maschinenethiker, hat das ganze Werk verfasst. Dadurch handelt es sich um ein Nachschlagewerk aus einem Guss, was eine Seltenheit und eine Besonderheit ist. Manche der Begriffe werden kurz und knapp erklärt, andere seitenlang. Nach der Lektüre ist man umfassend in die Bereichsethik eingeführt, die auch mit dem Begriff der digitalen Ethik umrissen wird und der man Computerethik, Netzethik und Neue-Medien-Ethik zuordnen kann. Und auch die Maschinenethik und die Roboterethik sind einem nicht mehr fremd. Natürlich lernt der Leser den Big Brother (und den Little Brother) kennen, und es kommt ihm die Filter Bubble entgegengeschwebt. Gespannt sein darf man auf den Cyberhedonismus, den Sexroboter und den Wutbürger. Weitere Informationen sind im Herbst bei Springer erhältlich.

Superintelligence

„Superintelligence“ war das Thema eines Wochenendseminars für Studierende in Solothurn, gefördert und getragen von der Schweizerischen Studienstiftung. Am Freitag, 12. Juni 2015, reisten die 18 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der ganzen Schweiz an. Noch am Abend sahen sie zusammen den Film „Ex Machina“ an. Am Samstag ging es zuerst um „Intelligence and Rationality“, dann um „Biological and Artificial Learning“ – in diesem Kontext hielt Dr. Frederike Petzschner von der ETH Zürich ihren Vortrag mit dem Titel „Neuroscience“. Man fuhr fort mit „State and Trends in Artificial Intelligence“ – Beitrag von Andreas Heinrich vom Dalle Molle Institute for Artificial Intelligence mit dem Titel „Artificial Neural Networks“ – und „AI Drives and Intelligence Explosion“. Am Sonntag dann „The Future of Evolution“ und „Philosophical and Ethical Considerations“. Zu letzterem Komplex war Prof. Dr. Oliver Bendel von der Hochschule für Wirtschaft FHNW eingeladen, der zum Thema „Dilemmata in der Informationsgesellschaft: Lösungsansätze aus Maschinenethik und Robotik“ sprach. Nach Ausführungen zur Ideen- und Entwicklungsgeschichte der künstlichen Kreatur und einer Einführung in soziale Robotik und Maschinenethik wurden klassische Dilemmata vorgestellt, die ins Informationszeitalter übertragen worden waren: Das Roboterauto-Problem, die Parkbucht des Karneades und Buridans Robot. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dankten allen Referentinnen und Referenten mit Applaus und einer lebhaften Diskussion. Weitere Infos zum Thema Superintelligence über www.superintelligence.ch.

KI

Abb.: Künstliche Intelligenz ist auf dem Vormarsch

maschinenethik.net wird zwei

maschinenethik.net feiert. Über 100 Beiträge im Blog, ein Literaturverzeichnis zur Maschinenethik und DAS KLEINE LEXIKON DER MASCHINENETHIK (ein Extrakt aus dem KLEINEN LEXIKON DER INFORMATIONSETHIK) mit ca. 80 Begriffen – das ist die Bilanz nach zwei Jahren. In der Rubrik „Studien“ findet man Design- und Funktionsstudien im Kontext von Maschinenethik und sozialer Robotik. Betrieben werden Website und Blog seit Mai 2013 von Oliver Bendel. Es handelt sich um ein privates Projekt. Es gibt keine Werbung, wenn man von dem Verweis auf den Roman „Künstliche Kreaturen“ absieht. In der Rubrik „Unterstützung“ heißt es: „Sie können maschinenethik.net unterstützen, indem Sie News – etwa zu Projekten, Studien und Tagungen – an uns weiterleiten, uns Bildmaterial schicken oder Forschungs- und Entwicklungskooperationen mit uns eingehen. Nutzen Sie die E-Mail-Adresse, die im Impressum angegeben ist!“ maschinenethik.net ist übrigens auch über roboterethik.net erreichbar. Die beiden Begriffe werden im erwähnten Lexikon erklärt und abgegrenzt. Man darf gespannt sein, wo maschinenethik.net im Jahre 2016 steht.

Isolated wind turbines

Abb.: Stellt sich die Anlage ab, wenn sich ein Schwarm nähert?

Künstliche Wesen zwischen Ethik und Ästhetik

„Drohnen, Roboter, Avatare: Künstliche Wesen zwischen Ethik und Ästhetik“ – zu diesem Vortrag von Oliver Bendel haben die Studierenden Raffaela della Valle, Hadis Xheladini und Noémie Szenogrady einen Beitrag geschrieben, der am 5. Juni 2015 auf www.digitallernen.ch erschienen ist. Der Vortrag fand am 21. April 2015 im Rahmen der Vorlesung „Angewandte Linguistik“ von Prof. Dr. Christa Dürscheid am Deutschen Seminar der Universität Zürich statt und wurde von ca. 30 Personen besucht. Im Beitrag heißt es: „Drohnen, Roboter, Avatare – Was fasziniert uns Menschen an diesen künstlichen Wesen? Welche Bereicherung bieten sie für die Gesellschaft und welche allfälligen Gefahren bergen sie? Wie lässt sich eine Verbindung von Literatur und Technik denken? Die Verknüpfung dieser Fragen mit dem Fachbereich Germanistik wurde im Spannungsfeld von Ästhetik und Ethik evident. Mit seiner offenen und charismatischen Art führte der Experte für Maschinenethik und Autor von zahlreichen Handyromanen uns, Studierende und einige Gasthörer, in die Welt von künstlichen Kreaturen von der Antike bis heute ein.“ Mehr kann man hier lesen.

Kann man Robotern Moral beibringen?

„Kann man Robotern Moral beibringen?“ Zu dieser Frage ist Liane von Billerbeck vom Deutschlandradio Kultur im Gespräch mit Janina Sombetzki, Philosophin an der Christian-Albrechts-Universität Kiel. Anlass ist deren Vortrag beim Internationalen Festival der Philosophie phil.COLOGNE im Mai 2015. Im Gespräch geht es u.a. um Serviceroboter und spezieller um Pflegeroboter. Von Billerbeck führt an einer Stelle aus: „Da ist ein Roboter im Haushalt eines pflegebedürftigen Menschen, um ihr oder ihm Hilfe zu leisten, das Leben zu erleichtern. Er ist auf bestimmte Arbeiten programmiert, jemanden füttern beispielsweise. Was aber, wenn der Betreute nicht mehr essen will und der Roboter aber sein Programm durchzieht?“ (Deutschlandradio, 27. Mai 2015) Auch Grundsätzliches wird erörtert, etwa die Frage der Autonomie. Die Philosophin plädiert für einen Begriff „im starken Sinne“: „Autonomie ist überall dort, wo wir unserem Handeln Gründe setzen. Bei Menschen ist das relativ einfach, da sagt man: wie kommen wir zu unseren guten Gründen? Durch Erziehung beispielsweise, durch Bildung, durch Kommunikation. Und bei Maschinen müssten wir dann sagen: Die guten Gründe stellen sozusagen die Programmierung dar.“ (Deutschlandradio, 27. Mai 2015) Das ganze Interview ist nachzuhören und nachzulesen über www.deutschlandradiokultur.de.

Alle Maschinen sind gleich

„Die Literaturgeschichte ist eine Fundgrube für Ökonomen, Ingenieure und Informatiker. Sie können Perlen und Plunder in ihr finden. Sie können sich inspirieren lassen und Parallelen ziehen. Und sie mögen, nach dem Durcheilen der Technikgeschichte, frei nach George Orwell zitieren: ‚Alle Maschinen sind gleich.'“ Mit diesen Worten beginnt ein Artikel, der am 18. Mai 2015 in der Zeitschrift ICTkommunikation erschienen ist. Er geht der Frage nach, ob manche Maschinen, um mit dem Schriftsteller zu sprechen, gleicher sind, und stellt die „Evolution der Maschinen“ dar. Diese beginnt mit den tätigen Maschinen, die uns unterstützen und entlasten. Auf die denkenden Maschinen, die Tablets und Notebooks, die modernen Wasch- und Kaffeemaschinen, folgen die sozialen und moralischen. Am Ende überraschen uns die vernetzten Maschinen mit ihren kommunikativen Fähigkeiten, und die Maschinen, die sich selbst verbessern und ihresgleichen bauen, etwa tätige Maschinen, womit ein Kreislauf entsteht, dessen Folgen nicht abzusehen sind. Der Beitrag von Oliver Bendel mit dem Titel „Alle Maschinen sind gleich“ kann über ictk.ch/content/alle-maschinen-sind-gleich heruntergeladen werden.

maschine

Abb.: Auch eine Maschine

Auto mit Moral

In einem ganzseitigen Artikel über selbstständig fahrende Autos mit dem Titel „Auto mit Moral“ stellt der Autor, Michael Baumann, promovierter Wissenschaftler an der ZHAW, die Einschätzungen von zwei Experten gegenüber. Oliver Bendel, Informations- und Maschinenethiker von der Hochschule für Wirtschaft FHNW, hat nichts gegen Autos dieser Art. Er will ihnen aber bestimmte Zonen zuweisen, etwa umfunktionierte Standstreifen auf der Autobahn, und bestimmte Uhrzeiten, etwa die Stunden der Nacht. Zudem hält er eine Geschwindigkeitsbegrenzung für notwendig. Frank M. Rinderknecht, Gründer und CEO der Autokonzeptschmiede Rinspeed, will die Autos immer und überall sehen. Die Einstellung der Gesellschaft ihnen gegenüber müsse sich ändern. Die Gesellschaft ist auch für Oliver Bendel zentral. Er geht im Moment davon aus, dass sie maschinelle Entscheidungen über Leben und Tod von menschlichen Verkehrsteilnehmern kaum hinnehmen wird. Als Maschinenethiker ist er an solchen Entscheidungen durchaus interessiert. Allerdings konzentriert er sich in seiner Forschung auf das Tierwohl. Dabei sind ebenfalls moralische Urteile relevant; nur sind die Risiken bei der Umsetzung viel geringer und die Chancen offensichtlicher. Der Artikel ist am 17. Mai 2015 in der Wochenzeitung Schweiz am Sonntag erschienen und als PDF verfügbar.

Schild

Abb.: Was soll das Auto tun?

Robot Cars from the Fifties

Im Sommer 2013 wurde der Artikel „Asimovs Automatobile: Selbstständig fahrende Autos in Fiktion und Realität und als Gegenstand der Maschinenethik“ von Oliver Bendel in der Online-Zeitschrift Telepolis (über http://www.heise.de/tp/artikel/39/39728/1.html) veröffentlicht. Er nimmt Bezug auf einen anderen Artikel, der 2012 mitsamt einer Geschichte um den New Autonomous Car (NAC) erschienen war, und auf einen Konferenzbeitrag aus dem selben Jahr (Abstract über http://pacita.strast.cz/en/conference/documents). Unter dem Titel „Robot Cars from the Fifties“ wurde der Artikel nun gekürzt, ergänzt und in englischer Sprache zur Verfügung gestellt. Der Teaser deutet an, worum es im Kern geht: „In his short story ‚Sally‘ from 1953, Isaac Asimov envisioned the functions, chances and risks of unmanned, self-driving cars. Now, advanced driver assistance systems increasingly take over actions from the driver, and fully autonomous prototypes seek to become an everyday feature on our roads. Asimov’s story already confronts the reader with some problems discussed in machine ethics today.“ Den englischen Artikel kann man über gbs-schweiz.org/blog/robot-cars-from-the-fifties/ aufrufen.

Brauchen Maschinen eine Moral?

Brauchen Maschinen eine Moral? Zu diesem Thema führte der Hessische Rundfunk am 23. April 2015 ein Interview mit dem Maschinenethiker und Wirtschaftsinformatiker Oliver Bendel. Gesprochen wurde im Studio in Zürich (SRF) bzw. Frankfurt über selbstständig fahrende Autos, aber auch über tierfreundliche Staubsauger. Moralisieren – so der Sprachgebrauch des Vertreters der relativ neuen Disziplin – kann man unterschiedliche Maschinen. Insbesondere einfache sind geeignet, und aus ihnen kann man einfache moralische Maschinen machen. Sie werden sozusagen etwas klüger und etwas besser auch im moralischen Sinne. Oliver Bendel ist in seiner Forschung bereits ganz konkret und praktisch geworden. Er hat annotierte Entscheidungsbäume entwickelt und stellt diese im Herbst 2015 auf einer Wirtschaftsinformatikkonferenz in Luzern vor. Ein Preprint ist über www.oliverbendel.net erhältlich. Der Beitrag im Hessischen Rundfunk wird voraussichtlich im September 2015 ausgestrahlt. Weitere Informationen folgen.

Entscheidungsbäume für moralische Maschinen

Immer mehr teilautonome und autonome Maschinen müssen Entscheidungen treffen, die moralische Implikationen haben. Die Maschinenethik, die als Pendant zur Menschenethik aufgefasst werden kann, untersucht Möglichkeiten und Grenzen moralischer Maschinen. Oliver Bendel hat seit 2014 diverse Designstudien erarbeitet und damit Vorschläge für Aussehen und Funktionen unterbreitet. Noch wenig benutzt werden Entscheidungsbäume zur Konzeption von moralischen Maschinen. Ein neuer Beitrag von Oliver Bendel konzentriert sich auf einfache moralische Maschinen, die tierfreundlich sein sollen, und es wird für jede ausgewählte Aufgabe ein annotierter Entscheidungsbaum modelliert. Beispielsweise wird dargestellt, welche Bremsungen ein Roboterauto für wen durchführen soll. Am 10. Mai 2015 wurde ein Preprint des Beitrags „Einfache moralische Maschinen: Vom Design zur Konzeption“ veröffentlicht. Das Original mitsamt größeren Grafiken erscheint nach endgültiger Annahme durch den Arbeitskreis Wirtschaftsinformatik (AKWI) im Herbst dieses Jahres. Tagungs- und Erscheinungsort ist Luzern.

Baum

Abb.: Kein Entscheidungsbaum