Die Liebe zu Maschinen

Mitte Oktober 2020 ist das Buch „Maschinenliebe“ (Hrsg. Oliver Bendel) erschienen. Aus dem Klappentext: „Sexroboter sind ein Thema, das die Medien mit Vorliebe behandeln und die Gesellschaft spaltet. Es gibt einige Modelle wie Emma oder Harmony. Viel verbreiteter sind allerdings einfache Liebespuppen mit überzeugender Haut und auswechselbaren Körperöffnungen. Sie finden sich in zahlreichen Bordellen und können problemlos bei Amazon und Co. bestellt werden. Zwischen Liebespuppen und Sexrobotern sind die Grenzen fließend. Sobald Liebespuppen sprechen können oder Sensoren und Aktoren haben, werden sie zu Sexrobotern. Einzelne Varianten weisen mimische Fähigkeiten auf und können den Kopf bewegen. Das Buch erklärt Grundbegriffe, geht auf technische Details ein und diskutiert psychologische, soziologische und philosophische Erkenntnisse und Herausforderungen. Es beleuchtet die Praxis der Sexarbeit und liefert Stellungnahmen von Herstellern und Benutzern.“ Das Buch kann über Springer bezogen werden. Wer Zugang zu SpringerLink hat, kann es kostenlos herunterladen.

Abb.: Die Liebe zu Maschinen

Gefährliche Maschinen, freundliche Begleiter?

„Gefährliche Maschinen oder freundliche Begleiter? Eines ist klar: unsere Faszination für Roboter ist ungebrochen. In diesem Kolloquium in Kooperation mit TA-SWISS wird ihr weiter nachgegangen.“ So steht es im Teaser eines Textes, der auf der Website des Hauses der elektronischen Künste Basel (HeK) zu finden ist. „Mittlerweile haben Roboter schon längst Einzug gehalten in unser alltägliches Leben: Menschenähnliche oder tierartige Roboter, wie beispielsweise die Robbe Paro, werden in der Gesundheitsfürsorge eingesetzt, Sexroboter kompensieren die Defizite menschlicher Beziehungen, intelligente Geräte hören unseren Gesprächen zu und kümmern sich um unsere Bedürfnisse …“ (Website HeK) Und weiter: „Die Veranstaltung findet im Rahmen einer aktuellen Studie von TA-SWISS statt, die sich mit den Einsatzmöglichkeiten und Risiken von sozialen Robotern befasst, die Empathie simulieren und Emotionen auslösen. Im Zentrum stehen die neuen Herausforderungen in der Beziehung zwischen Mensch und Maschine. An dem Kolloquium werden die beiden Wissenschaftler Prof. Dr. Oliver Bendel und Prof. Dr. Hartmut Schulze sowie die Schweizer Künstlerin Simone C. Niquille mit kurzen Inputs das Themenfeld abstecken und in einem Podiumsgespräch die aufgeworfenen Fragen diskutieren.“ (Website HeK) Weitere Informationen über www.hek.ch/programm/events/event/kolloquium-soziale-roboter.html.

Abb.: Ein freundlicher Begleiter

Maschinenethik in den Schweizer Alpen

Am 8. und 9. Oktober 2020 finden in Engelberg, einer Alpenstadt in der Zentralschweiz, die Engelberger Dialoge statt. In den Fokus nehmen diese, so die Ankündigung im Programmheft, „die komplexe Robotik“. „Robotik wird in nahezu allen Branchen eingesetzt. Treiber für die Entwicklung sind unter anderem die wissenschaftliche und technische Entwicklung, der Wettbewerbsdruck zur Steigerung der Produktivität von Arbeit und Kapital, der Personalmangel für gewisse Tätigkeiten sowie steigende Erwartungen an die Qualität von Produkten und Sicherheit. Experten verschiedener Fachdisziplinen werden … faszinierende Möglichkeiten wie Blitzlichter aufleuchten lassen. Ethische Aspekte in der Interaktion Robotik und Mensch werden ebenfalls angesprochen. Und die Rundtischdiskussion mit Vertretern verschiedener Branchen verspricht zweifellos lebhafte Voten zu Pro und Con der Robotik.“ (Programmheft Engelberger Dialoge) Ganz konkret geht es in einem der Beiträge – von Prof. Dr. Oliver Bendel – um Roboter- und Maschinenethik. Beim Forum am 9. Oktober tragen u.a. Prof. Dr. Roland Siegwart, Institut für Robotik der ETH Zürich, Dr. Mathias Buerki, Wyss Translational Center der ETH Zürich, Prof. Dr. Marco Hutter, Depart. Mech. & Process Engineering der ETH Zürich und eben Prof. Dr. Oliver Bendel, Institut für Wirtschaftsinformatik der Hochschule für Wirtschaft FHNW vor. Der Flyer für das Forum ist hier verfügbar.

Abb.: Ein alter Schweizer Postbus

A New AI Magazine

AAAI has announced the launch of the Interactive AI Magazine. According to the organization, the new platform provides online access to articles and columns from AI Magazine, as well as news and articles from AI Topics and other materials from AAAI. „Interactive AI Magazine is a work in progress. We plan to add lot more content on the ecosystem of AI beyond the technical progress represented by the AAAI conference, such as AI applications, AI industry, education in AI, AI ethics, and AI and society, as well as conference calendars and reports, honors and awards, classifieds, obituaries, etc. We also plan to add multimedia such as blogs and podcasts, and make the website more interactive, for example, by enabling commentary on posted articles. We hope that over time Interactive AI Magazine will become both an important source of information on AI and an online forum for conversations among the AI community.“ (AAAI Press Release) More information via interactiveaimag.org.

Fig.: A magazine for interested people, cyborgs and robots

ROBOPHILOSOPHY 2020 und 2022

Eine der weltweit wichtigsten Konferenzen für Roboterphilosophie und soziale Robotik, die ROBOPHILOSOPHY, fand vom 18. bis 21. August 2020 statt, nicht in Aarhus (Dänemark), wie ursprünglich geplant, sondern – wegen der COVID-19-Pandemie – in virtueller Form. Organisatoren und Moderatoren waren Marco Nørskov und Johanna Seibt. Ein beträchtlicher Teil der Vorträge war der Maschinenethik verpflichtet, etwa „Moral Machines“ (Aleksandra Kornienko), „Permissibility-Under-a-Description Reasoning for Deontological Robots“ (Felix Lindner) und „The Morality Menu Project“ (Oliver Bendel). Die Keynotes stammten von Selma Šabanović (Indiana University Bloomington), Robert Sparrow (Monash University), Shannon Vallor (The University of Edinburgh), Alan Winfield (University of the West of England), Aimee van Wynsberghe (Delft University of Technology) und John Danaher (National University of Ireland). Winfield zeigte sich in seinem herausragenden Referat skeptisch gegenüber moralischen Maschinen, woraufhin Bendel in der Diskussion deutlich machte, dass sie in manchen Bereichen nützlich, in anderen gefährlich sind, und die Bedeutung der Maschinenethik für die Erforschung der maschinellen und menschlichen Moral hervorhob, womit sich Winfield wiederum einverstanden zeigte. Die letzte Konferenz wurde 2018 in Wien durchgeführt. Keynoter waren damals u.a. Hiroshi Ishiguro, Joanna Bryson und Oliver Bendel. Die nächste ROBOPHILOSOPHY wird, wie die Veranstalter am Ende der Veranstaltung, bekanntgaben, 2022 an der Universität Helsinki stattfinden.

Abb.: Vorgestellt wurde auch das Moralmenü

Towards HUGGIE

In the first part of the HUGGIE project initiated by Oliver Bendel, two students of the School of Business FHNW conducted an online survey with almost 300 participants. In the management summary of their bachelor thesis Ümmühan Korucu and Leonie Stocker (formerly Leonie Brogle) write: „The results of the survey indicated that people have a positive attitude towards robots in general as robots are perceived as interesting and useful rather than unnecessary and disturbing. However, only a minority of the participants stated that they would accept a hug from a robot. A possible reason for this could be that for the majority of participants, a hug is an act of intimacy with a deeper meaning attached to it which is only being shared with selected persons. For a robot to be perceived as an attractive hugging partner, a human-like design including a face, eyes, a friendly look as well as the ability to communicate verbally and non-verbally is desired. However, an appearance being too realistic has a deterrent effect. Furthermore, an in-depth analysis of the data in relation to age and gender of the participants resulted in the discovery of interesting facts and differences. Overall, the findings contribute to a clearer picture about the appearance and the features Huggie should have in order to be accepted as a hugging counterpart.“ The bachelor thesis will be publicly available in autumn 2020. There will also be a paper with the results next year.

Fig.: A part of a hug

Soziale Roboter in der Hochschullehre

An der Hochschule für Wirtschaft FHNW wird ab Herbstsemester 2021 das Wahlmodul „Soziale Roboter“ angeboten. Es steht WirtschaftsinformatikerInnen und BetriebsökonomInnen offen. Dozent ist Prof. Dr. Oliver Bendel. Das Wahlmodul „Soziale Roboter“ klärt Grundbegriffe und -konzepte, stellt den Zusammenhang zwischen der sozialen Robotik und anderen Disziplinen (Künstliche Intelligenz, Maschinenethik, Künstliches Bewusstsein) her, nennt Beispiele sozialer Roboter und geht auf Anwendungsgebiete sozialer Roboter ein. Die Studierenden lernen ausgewählte soziale Roboter kennen, nach Möglichkeit auch im direkten Kontakt. Sie entwickeln Szenarien, die folgende Komponenten umfassen: Beschreibung eines fiktiven sozialen Roboters (Zeichnung, Produktbeschreibung), Skizze einer Organisation oder Situation, in der der Roboter eingesetzt wird (Organigramm, Firmenbeschreibung), Darstellung der Interaktion und Kommunikation sowie der Datenflüsse (Modellierung), Diskussion technischer, ethischer und rechtlicher Fragen. Die Ergebnisse werden in Gruppen im Plenum präsentiert.

Abb.: Auch der Zusammenhang mit der Maschinenethik wird aufgezeigt

Künstliche Intelligenz in der Humanforschung

Die Mitglieder der Ethikkommissionen der Schweiz sind zu der diesjährigen Weiterbildung mit dem Thema „Künstliche Intelligenz in der Humanforschung – Wissenschaftliche, rechtliche und ethische Herausforderungen“ ins Landesmuseum Zürich eingeladen. Die Veranstaltung wird durchgeführt von swissethics, der Dachorganisation der Kantonalen Ethikkommissionen. Sie wird eröffnet von Prof. Dr. Julia Vogt (ETH Zürich). Ihr Vortrag trägt den Titel „Künstliche Intelligenz: eine wissenschaftliche Herausforderung in der Forschung“. Danach spricht Prof. Dr. med. Adrian Egli (Universitätsspital Basel) über „Herausforderungen künstlicher Intelligenz in der Mikrobiologie“. Nach der Pause geht es um „Apps, Algorithmen und Roboter in der Medizin: Haftungsrechtliche Herausforderungen“ – das Gebiet von Prof. Dr. iur. Corinne Widmer Lüchinger (Universität Basel). Den Abschluss bildet der Vortrag von Prof. Dr. oec. HSG Oliver Bendel (Hochschule für Wirtschaft FHNW) mit dem Vortrag „Maschinenethik – Informationsethik: welche ethischen Herausforderungen sind relevant?“ Das Programm kann hier aufgerufen werden. Weitere Informationen über www.swissethics.ch/aus-fortbildung/fuer-ek-mitglieder.

Abb.: Im Labor

Keine Angst vor der KI

„Wer hat Angst vor der KI?“ Dieser Frage geht Carmen Gräf am 16. Juli 2020 von 22 bis 23 Uhr bei RBB Kultur nach. „Erst lernten die Computer rechnen, dann organisieren, analysieren, sprechen und schließlich – denken. Dank Künstlicher Intelligenz. Nun ist die Forschung dabei, den Computern auch das Fühlen beizubringen. Eine neue Stufe Künstlicher Intelligenz entsteht. Das sorgt für jede Menge Hoffnung und Euphorie, aber auch für Angst und Unbehagen. Wird die Maschine den Menschen überholen oder kann der Mensch die digitalen Potentiale sinnvoll nutzen? Ein Einblick in aktuelle Diskussionen, Forschungen und Anwendungen.“ (RBB Kultur) Erwähnt werden auch die Entwicklungen des Informations- und Maschinenethikers Oliver Bendel, konkret der LIEBOT, der systematisch die Unwahrheit sagt, und HAPPY HEDGEHOG, der igelfreundliche Rasenmähroboter. Die Sendung ist ein Jahr lang in der ARD-Mediathek abrufbar.

Abb.: Wer hat Angst vor der KI?

Interviews zu künstlicher Intelligenz und Moral

Kinofenster ist ein Projekt der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb). Es wurde 1996 als Printmagazin initiiert. Im Jahre 2000 erfolgte die Umstellung zu einem Onlineangebot. Der aktuelle Schwerpunkt im Juli 2020 widmet sich, ausgehend von dem Film „Hi, AI“, künstlicher Intelligenz und moralischen Maschinen. „Humanoide Roboter sind nicht mehr nur Science Fiction. Im Dokumentarfilm Hi, AI beobachtet Regisseurin Isa Willlinger den Einzug solcher menschenähnlicher Maschinen in unseren Alltag. Begleitend zum Film stellt eine Sequenzanalyse drei Visionen von künstlerischer Intelligenz und ein Hintergrundtext das Motiv des Androiden-Roboters im Kino vor. Zudem sprechen wir mit Kate Darling und Oliver Bendel über Chancen und Gefahren künstlicher Intelligenz.“ (Website Kinofenster) Der Informations- und Maschinenethiker geht insbesondere auf künstliche oder maschinelle Moral ein. Die Interviews und die Materialien sind über www.kinofenster.de abrufbar.

Abb.: Nao wurde im Kontext der Maschinenethik moralisiert

Serviceroboter aus ethischer Sicht

Der Vortrag „Serviceroboter aus der Perspektive der Ethik“ von Prof. Dr. Oliver Bendel am 12. März 2020 an der ZHAW in Wädenswil war der erste Vortrag im Forum des Frühjahrssemesters – und wegen COVID-19 wohl auch der letzte. Roboter waren lange Zeit besondere Maschinen, die in Käfigen in Fabriken eingesperrt und als Werkzeuge für bestimmte Aufgaben verwendet wurden, sei es zur Bombenentschärfung oder zur Umfelderkundung, auf der Erde wie auf dem Mond. Nur wenige Menschen bekamen sie zu Gesicht. Seit der Jahrtausendwende ändert sich das drastisch. Zuerst waren es Saug-, Mäh- und Poolroboter, die uns unterstützt und an die wir uns gewöhnt haben. Sie helfen uns im Haushalt und im Außenbereich, sozusagen in „geschlossenen“ und „halboffenen“ Welten. Inzwischen sind immer mehr Serviceroboter in „offenen“ Welten anzutreffen. Sie sind an Orten unterwegs, die wir uns teilen bzw. die öffentlich sind. Dabei stellen sich – vor allem, aber nicht nur bei sozialen Robotern – diverse Herausforderungen. Diese thematisierte der Vortrag, in moralischer und sozialer Hinsicht, und er schlug Lösungen u.a. auf ethischer, technischer und organisationaler Ebene vor. Das Video des Vortrags kann hier aufgerufen werden.

Abb.: Service ist anstrengend

Die Freiheit des menschlichen Cyborgs

„Die Veränderung ist die Freiheit des menschlichen Cyborgs. Sein Körper gehört ihm. Allerdings könnte man ihm vorhalten, dass er zum Vorbild wird, selbst für diejenigen, die nicht mit dem Transhumanismus sympathisieren, der Ideologie des neuen Menschen, und für die das Stechen der Ohrlöcher oder das Setzen eines Piercings der bisher schwerste Eingriff war. Nun gehört zur Freiheit ebenso, gegen die allgemeine Vernunft und das eigene Wohl zu handeln. Problematisch wird es bei Kindern, die die Folgen nicht einschätzen können.“ So heißt es in einem Beitrag von Oliver Bendel für Bosch-Zünder, die legendäre Mitarbeiterzeitschrift, die es seit 1919 gibt. Erschienen ist er im März 2020 in zehn Sprachen, in deutscher, aber auch in englischer, chinesischer und japanischer. In einem Buchbeitrag, der noch 2020 publiziert wird, geht der Wirtschaftsinformatiker und Ethiker noch einen Schritt weiter und stellt die Verbindung zwischen Biohacking und Maschinenethik her. „Das Verschmelzen von menschlicher und maschineller Moral“ ist Teil des Buchs „Bessere Menschen? Technische und ethische Fragen in der transhumanistischen Zukunft“ (Springer, Berlin 2020).

Abb.: Die Freiheit des menschlichen Cyborgs

Über das Leben

„Das Leben entstand mit der chemischen Evolution und bildete sich dann im Zuge der biologischen Evolution (auch einfach Evolution genannt) weiter aus. Lebewesen sind zum Leben fähige Einheiten, sogenannte Organismen, die u.a. zu den Bakterien, Pilzen, Pflanzen und Tieren zählen. Die Biologie … erforscht das Leben bzw. Lebewesen, zusammen mit der Chemie, einer weiteren Naturwissenschaft. Zu den Lebenswissenschaften gehören zudem Medizin, Agrartechnologie und Ernährungswissenschaften.“ So beginnt ein neuer Beitrag von Oliver Bendel im Gabler Wirtschaftslexikon, erschienen am 1. April 2020. In einem Abschnitt über Leben und Tod wird auch auf soziale Roboter eingegangen: „Soziale Roboter mögen animaloid oder humanoid gestaltet sein und Eigenschaften von Lebewesen simulieren, sind aber nicht im eigentlichen Sinne sterblich: Sie verlassen nicht die Welt, sondern werden zu Schrott.“ Am Ende heißt es: „Das Leben auf der Erde ist vor knapp vier Milliarden Jahren entstanden und wird vielleicht noch sechs Milliarden bestehen, bis zum Erlöschen der Sonne, doch in welcher Form, steht in den Sternen.“ Der Beitrag des Informations- und Maschinenethikers kann über wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/leben-122432 aufgerufen werden.

Abb.: Schildkröten leben lang

Lebewesen und Nichtlebewesen

„Lebewesen sind zum Leben fähige Einheiten, auch als Organismen bekannt, die u.a. zu den Bakterien, Pilzen, Pflanzen und Tieren zählen. Sie haben einen eigenen Stoffwechsel und sind zur Fortpflanzung imstande. Im Zuge der Evolution haben sich Trillionen von Individuen und Millionen von (Unter-)Arten entwickelt. Viren wie HIV oder SARS-CoV-2 gehören nicht zu den Lebewesen, sind jedoch auf deren Stoffwechsel angewiesen.“ Mit diesen Worten beginnt ein neuer Beitrag von Oliver Bendel im Wirtschaftslexikon von Gabler. In einem weiteren Abschnitt wird ein Bezug zur Wirtschaft hergestellt: „Die Wirtschaft hat über Jahrtausende tierische und menschliche Lebewesen für Vorbereitung, Herstellung, Vertrieb und Entsorgung benötigt. Freiwillige und unfreiwillige Arbeitskräfte (Sklaven bzw. Nutz- und Lasttiere) stehen in Arbeitsprozessen zur Verfügung. Wild- und Nutztiere werden gefangen, gezüchtet, gehalten und getötet, um Rohstoffe, Kleidungsstücke oder Nahrungsmittel aus ihnen zu gewinnen. In der Industrie 4.0 werden Menschen durch Industrieroboter ersetzt oder ergänzt. Serviceroboter übernehmen Aufgaben in Alten- und Pflegeheimen und in Hotels. Als Endverbraucher und Interaktionspartner (bzw. Datenlieferant) ist nach wie vor das Lebewesen gefragt.“ Am Ende werden neben der Wirtschaftsethik auch Technikethik, Informationsethik und Roboterethik erwähnt. Der Beitrag, der am 1. April 2020 erschienen ist, steht über wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/lebewesen-122248 zur Verfügung.

Abb.: Lebewesen und Nichtlebewesen

AI, ME und MC

Immer wieder hört man, oft von Theologen, manchmal von Philosophen, dass Maschinen nicht autonom seien, nicht intelligent, nicht moralisch etc. Sie übertragen den Begriff, den sie aus ihrem Bereich kennen, auf technische Wissenschaften wie Informatik, Künstliche Intelligenz (KI) und Maschinenethik (die technisch geprägt ist und eng mit KI und Robotik zusammenarbeitet). Sie anerkennen nicht, dass jede Disziplin ihre eigenen Begriffe haben kann (und in der Regel hat). Bei einer Tagung im Jahre 2015 beschimpfte Bundestagspräsident Prof. Dr. Norbert Lammert, ein zutiefst religiöser Mann, die Referenten mit den Worten, Maschinen seien nicht autonom, sie hätten sich nämlich nicht selbst ein Gesetz gegeben. Nun sprechen Informatik und Robotik aber nun einmal von autonomen Systemen und Maschinen, und selbstverständlich dürfen sie das, wenn sie darlegen, wie sie das meinen. Eine solche Begriffsklärung und -aneignung steht sogar am Anfang jeder wissenschaftlichen Betätigung, und dass die Begriffe gleich lauten wie die anderer Bereiche, heißt keineswegs, dass sie dasselbe bedeuten und bedeuten müssen. Eine neue Grafik von Prof. Dr. Oliver Bendel, die auf früheren Entwürfen aufbaut, stellt dar, was der Gegenstandsbereich der Disziplinen oder Arbeitsbereiche der KI, der Maschinenethik und des Maschinellen Bewusstseins ist, und macht für sie terminologische Vorschläge. Im Kern geht es diesen darum, etwas in bestimmten Aspekten ab- oder nachzubilden bzw. zu simulieren. So schafft es die Künstliche Intelligenz eben, künstliche Intelligenz hervorzubringen, etwa Dialogsysteme oder Maschinen, die bestimmte Probleme lösen. Ob diese „wirklich“ intelligent sind oder nicht, ist keine sinnvolle Frage, und der Terminus technicus benutzt nicht umsonst das Adjektiv „künstlich“ – hier wäre noch einfacher als im Falle von „autonom“ zu verstehen, dass es sich um eine „neue“ (immerhin seit über 50 Jahren erklärte) Bedeutung handelt.

Abb.: AI, ME und MC

Die Entwicklung einer MOML

Es existieren mehrere Markup Languages. Die bekannteste ist sicherlich die Hypertext Markup Language (HTML). Im Bereich der KI hat sich AIML etabliert. Für synthetische Stimmen wird SSML eingesetzt. Die Frage ist, ob damit die Möglichkeiten mit Blick auf autonome Systeme ausgeschöpft sind. In dem Beitrag „Das Moralmenü: Moralische Maschinen mit einer Stellvertretermoral“ von Prof. Dr. Oliver Bendel wurde zum ersten Mal eine Morality Markup Language (MOML) vorgeschlagen. Eine Studienarbeit unter der Betreuung des Informations- und Maschinenethikers hat 2019 untersucht, welche Möglichkeiten bestehende Sprachen hinsichtlich moralischer Aspekte haben und ob eine MOML gerechtfertigt ist. Die Ergebnisse wurden im Januar 2020 vorgestellt. Eine Bachelorarbeit an der Hochschule für Wirtschaft FHNW geht ab Ende März 2020 einen Schritt weiter. In ihr sollen Grundzüge einer Morality Markup Language erarbeitet werden. Es sollen die Grundstruktur und spezifische Befehle vorgeschlagen und beschrieben werden. Es sind die Anwendungsbereiche, Vorteile und Nachteile einer solchen Markierungssprache darzustellen. Auftraggeber der Arbeit ist Prof. Dr. Oliver Bendel, Betreuerin Dr. Elzbieta Pustulka.

Abb.: Die Entwicklung einer MOML