Der Kampf der Maschinen

Die ZEIT führte mit dem Maschinenethiker Oliver Bendel ein Interview, das am 11. bzw. 12. April 2017 veröffentlicht wurde. Eine Frage lautete: „Kann man in Bezug auf bestimmte Programme oder Roboter überhaupt von Moral oder Unmoral sprechen? Können Maschinen gut oder böse sein?“ Die Antwort: „Da sind wir mittendrin in der Maschinenethik. Wir kennen seit 2500 Jahren die Ethik als eine Disziplin, die sich ausschließlich auf Menschen richtete. Jetzt haben wir es mit neuen Subjekten der Moral zu tun, eben Maschinen. Natürlich sind sie nicht gut oder böse, weil sie keinen eigenen Willen, kein Bewusstsein haben. Aber sie treffen, teilautonom oder autonom, bestimmte moralisch relevante Entscheidungen.“ Eine ähnliche Diskussion begann mit der Disziplin der Künstlichen Intelligenz. Viele Experten verwenden den Begriff der künstlichen Intelligenz (der auf den Gegenstand der Disziplin verweist) metaphorisch oder intentional. So kann man es auch bei der „maschinellen Moral“ machen. Die letzte Frage lautete: „Werden intelligente Roboter irgendwann einmal die Menschheit bedrohen?“ Oliver Bendel antwortete dem Journalisten: „Dass sich Roboter zusammenrotten, um uns Menschen zu eliminieren, halte ich für surreal. Dass Maschinen zu Rassisten werden können, ist schon Realität.“ Das Interview kann über www.zeit.de/2017/16/kuenstliche-intelligenz-moral-maschinenethik-interview nachgelesen werden.

Abb.: Der Kampf der Maschinen

Die Artenvielfalt der Automaten

„Android oder Maschine?“ Das fragt die neue Ausgabe der Zeitschrift designreport (Erscheinungsdatum 13. April 2017). In der Ankündigung wird deutlich, worum es geht: „Kaum ein Technologiebereich entwickelt sich derzeit so dynamisch wie die Robotik. Unterstützt von den Fortschritten der Künstlichen Intelligenz steigern sich die Autonomie und damit auch die Anwendungsszenarien automatischer Systeme. Längst geht es nicht mehr nur um Industrieroboter, sondern um persönliche Alltagsassistenten, um Roboter für Medizin, Logistik, Sicherheit oder Mobilität. Die Artenvielfalt der Automaten wächst dynamisch – und damit eine ganz neue Aufgabe für das Design. Dabei geht es nicht nur um die Frage, ob und wie humanoid die neuen Roboter sein dürfen. Es geht vielmehr um die Gestaltung eines neuen technologischen Abschnittes und um die Art, wie wir künftig leben sowie arbeiten wollen. Das Design hat wesentlichen Einflussauf die Nutzungsszenarien, aber auch auf die Akzeptanz der Maschinen.“ (Website designreport) Die Redakteure stellen die neuesten Entwicklungen vor und berichten über einen Besuch der Ausstellung „Hello Robot“ in Weil am Rhein. Enthalten sind auch Interviews, mit einem KUKA-Entwickler zu Industrierobotern und mit Oliver Bendel (Hochschule für Wirtschaft FHNW) zur Maschinenethik. Weitere Informationen über www.designreport.de (Link nicht mehr gültig).

Abb.: Die Artenvielfalt der Zahnräder

AI for Social Good VII

Den Session Chair für die Talk Session 5 („Miscellaneous“) beim AAAI Spring Symposium „AI for Social Good“ hatte Amulya Yadav inne. Er ging auf die Methoden und Strategien im Bereich „AI for Social Good“ ein, erwähnte den Belmont-Report und wertete ihn für den gegebenen Kontext aus. „Optimal Thresholds for Intrusion Detection Systems“ wurde von Yevgeniy Vorobeychik vorgetragen (Paper zusammen mit Aron Laszka, Waseem Abbas u.a.). Die Methoden wurden auf „Water Distribution Networks“ angewandt. Das Referat von Evan Patterson trug den Titel „Machine representation of Data Analyses“ (Paper mit Ioana Baldini, Aleksandra Mojsilovic und Kush Varshney). Er ging aus von einer Case Study namens „Accelerated Cure Project“ und fragte nach neuen Arten von „data science platforms“. Oliver Bendel ging in „Towards Kant Machines“ (Paper zusammen mit Kevin Schwegler und Bradley Richards) auf das abgeschlossene LÜGENBOT-Projekt ein. Der LIEBOT ist in der Lage, systematisch zu lügen. Die Ergebnisse können dazu verwendet werden, solche natürlichsprachlichen Systeme zu entwickeln, die niemals oder selten lügen. Danach präsentierte er sein Paper „LADYBIRD: the Animal-Friendly Robot Vacuum Cleaner“. LADYBIRD erkennt Marienkäfer und stellt, wenn ihm diese zu nahe kommen, seine Arbeit ein. Der Prototyp wird zurzeit an der Hochschule für Wirtschaft FHNW entwickelt. Erisa Karafili offerierte eine „Argumentation-based Security for Social Good“ (Co-Autoren sind Antonis C. Kakas, Nikolaos I. Spanoudakis und Emil C. Lupu), Mahendra Prasad reiste „Back to the Future“, mit „A Framework for Modelling Altruistic Intelligence Explosions“ im Gepäck. Um 17.30 Uhr – nach einer angeregten Plenumsdiskussion – war das Symposium vorbei. Für den Abend und den Morgen des darauffolgenden Tages waren weitere allgemeine Veranstaltungen innerhalb der AAAI 2017 Spring Symposia geplant.

AI for Social Good V

Am 28. März 2017 begann um 9.00 Uhr der zweite Tag des AAAI Spring Symposium „AI for Social Good“. Den Session Chair für die Talk Session 3 („Urban Planning“) hatte Virginia Dignum (Delft University of Technology) inne. Sie führte in das Thema ein und postulierte: „Artefacts have politics“. Sie erwähnte Anliegen der Maschinenethik und unterschiedliche Modelle der normativen Ethik, die man auf autonome Systeme anwenden kann. „Smart-City Planning with Constrained Crowd Judgment Analysis“ war der Titel des ersten Vortrags von Sujoy Chatterjee (Paper mit Anirban Mukhopadhyay und Malay Bhattacharyya). Syed Ali Asad Rizvi (Paper mit Elmarie van Heerden, Arnold Salas u.a.) trug zu „Identifying Sources of Discrimination Risk in the Life Cycle of Machine Intelligence Applications under New European Union Regulations“ vor. Er erwähnte einen „discrimination bias“ und fragte danach, wie man diesem begegnen kann. Daniela Rosu präsentierte das Paper „Knowledge-based Provisioning of Goods and Services: Towards a Virtual Social Needs Marketplace“, das zusammen mit Dionne M. Aleman, Christopher Beck u.a. erstellt wurde. Ausgangspunkt war, dass immer mehr Menschen Produkte und Dienstleistungen benötigen, die sie sich nicht leisten können. Es geht nun darum, diese in effizienter Weise von der Anbieter- zur Nachfragerseite zu bringen. Amin Ghafouri (Paper mit Aron Laszka, Abhishek Dubey und Xenofon Koutsoukos) referierte zu „Optimal Detection of Faulty Traffic Sensors Used in Route Planning“, Karen Judd Smith – den Fokus wieder stark erweiternd – zu „The AI Community and the United Nations: A Missing Global Conversation“.

AI for Social Good IV

Das AAAI Spring Symposium „AI for Social Good“ wurde am 27. März 2017 um 16.00 Uhr mit der Talk Session 2 („Social Welfare“) fortgeführt. Den Session Chair hatte Eric Rice inne. In seiner Einführung ging er wiederum auf die Sozialarbeit ein. Seine Arbeitsgruppe hatte zwei Papers erfolgreich eingereicht, nämlich „Uncharted but not un-influenced: Influence Maximization with an Uncertain Network“ und „Influence Maximization in the Field: The Arduous Journey from Emerging to Deployed Application“. Diese wurden anschließend präsentiert. Bryan Wilder (Beitrag von ihm, Amulya Yadav, Nicole Immorlica, Eric Rice und Milind Tambe) begann seinen Vortrag mit dem Zusammenhang von HIV und Obdachlosigkeit. Er erwähnte den HEALER- und den DOSIM-Algorithmus. Amulya Yadav begann seinen Vortrag (Paper von ihm, Bryan Wilder, Robin Petering, Eric Rice und Milind Tambe) ebenfalls mit der erwähnten Thematik. Es ging ihm darum, mit Hilfe der Algorithmen Peer Leaders zu identifizieren, zu informieren und zu trainieren, um HIV bei Obdachlosen zu reduzieren. Der Nachmittag schloss mit der Präsentation der Beiträge „Cloudy with a Chance of Poaching: Adversary Behavior Modeling and Forecasting with Real-World Poaching Data“ (Debarun Kar, Benjamin Ford, Shahrzad Gholami u.a.) – Benjamin Ford nahm Bezug auf Tiere -, „Optimal Allocation of Police Patrol Resources Using a Continuous-Time Crime Model“ (Ayan Mukhopadhyay, Chao Zhang, Yevgeniy Vorobeychik u.a.) – Ayan Mukhopadhyay stellte einen KI-basierten Ansatz zur Verbrechensbekämpfung vor – und „Societal Challenges need Social Agents“ (Virginia Dignum und Frank Dignum). Frank Dignum verwendete seine Zeit auf eine ganze Palette von Projekten.

AI for Social Good III

Weiter ging es mit dem AAAI Spring Symposium „AI for Social Good“ am 27. März 2017 um 14.00 Uhr mit der Talk Session 1 („Healtcare“). Den Session Chair hatte Eric Horvitz (Technical Fellow & Managing Director, Microsoft Research) inne. Er führte aus technisch-mathematischer Perspektive in die Thematik ein. Lanbo She (Michigan State University) begann mit „Teaching and Checking of Constraints for Surgical Tray Layout“. Er schlug einen Agenten vor, der beim korrekten Zusammenstellen der Operationsinstrumente für unterschiedliche Situationen hilft. Co-Autor des Papers war Jonathan Connell (IBM T. J. Watson Research). Sujoy Chatterjee referierte anstelle von Malay Bhattacharya (Indian Statistical Institute, Kolkata) über „In Search of Health Doubles“. Nach ihrem Ansatz sollte man weltweit Personen identifizieren können, die in ihren biologischen Eigenschaften zu anderen Personen passen, denen damit geholfen werden kann. Arnaud Delaunay (LinkValue) ging in „Wandering Detection Within an Embedded System for Alzheimer Suffering Patients“ auf einen innovativen Ansatz für Alzheimer-Patienten ein, die mit einer Smartwatch ausgestattet und überwacht werden. Co-Autor des Papers war Jean Guerin. Der Vortrag von Yevgeniy Vorobeychik (Vanderbilt University) – das Paper wurde zusammen mit Bo Li, Muqun Li und Bradley Malin geschrieben – trug den Titel „Sanitizing Large-Scale Medical Records Before Publishing“ und stellte eine iterative Methode für „sanitizing data at scale“ vor.

Robotik und Ethik

Was ist Robotik? Ein neuer Beitrag im Wirtschaftslexikon von Springer Gabler erklärt es in aller Kürze, stellt Anwendungsgebiete vor und den Zusammenhang mit der Ethik her. Im allgemeinen Teil heißt es: „Die Robotik oder Robotertechnik beschäftigt sich mit dem Entwurf, der Gestaltung, der Steuerung, der Produktion und dem Betrieb von Robotern, z.B. von Industrie- oder Servicerobotern. Bei anthropomorphen oder humanoiden Robotern geht es auch um die Herstellung von Gliedmaßen und Haut, um Mimik und Gestik sowie um natürlichsprachliche Fähigkeiten.“ Zu den Anwendungsgebieten wird ausgeführt: „Die Ergebnisse der Robotik sind wichtig u.a. für Wirtschaft (Industrie-, Landwirtschafts- und Serviceroboter), Wissenschaft (Forschungs- und Experimentierroboter), Gesellschaft (Serviceroboter, Assistenzsysteme), Gesundheitswesen (Pflege- und Therapieroboter), Verkehrswesen (Roboterautos) und Militärwesen (Kampfroboter).“ Es wird betont, dass die Robotik mit unterschiedlichen Disziplinen zusammenarbeiten muss, auch der Maschinenethik, und am Ende werden Bereichensethiken wie Technikethik, Informationsethik und Roboterethik genannt. „Auch die Wirtschaftsethik ist von Bedeutung, da menschliche durch maschinelle Arbeitskraft unterstützt und ersetzt wird.“ Der Beitrag von Oliver Bendel ist am 1. Februar 2017 erschienen und kann über wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/robotik.html aufgerufen werden.

Abb.: Nur eine Puppe

Fonds für die Forschung zu KI und Ethik

Wie Heise und andere Medien melden, fördern die Gründer von eBay und LinkedIn die Forschung zur Künstlichen Intelligenz in der Moral. Dabei werden fast zwangsläufig auch Maschinenethik und Roboterethik profitieren. „Mit 27 Millionen US-Dollar Vermögen soll ein neuer Stiftungsfonds die Forschung über KI und Ethik voranbringen.“ (Heise, 11. Januar 2017) Verwaltet werden soll der sogenannte Ethics and Governance of Artificial Intelligence Fund vom MIT Media Lab, vom Berkman Klein Centre an der Harvard University sowie von den Hauptspendern. Man wolle, so Heise, Debatten etwa darüber voranbringen, wie sich Sozialwissenschaften und Informatik für „Künstliche Intelligenzen“ verbinden lassen, die – damit wird Media-Lab-Leiter Joi Ito zitiert – „nicht nur smart, sondern auch sozial verantwortungsbewusst“ sind (Heise, 11. Januar 2017). KI und Ethik sind auch das Thema bei der AAAI-Konferenz in Stanford mit dem Titel „AI for the Social Good“ im März 2017. Weitere Informationen über www.heise.de/newsticker/meldung/Initiative-fuer-ethische-KI-Gruender-von-eBay-und-Linkedin-spenden-Millionen-3593842.html.

Das Auto ein bisschen dumm lassen

In der Februarausgabe von P.M. Magazin ist ein langes Interview mit Oliver Bendel abgedruckt. Am 9. September trafen sich der Redakteur Rüdiger Barth und der Wissenschaftler auf dem Campus Brugg-Windisch der FHNW und sprachen über Maschinenethik, Künstliche Intelligenz und Robotik. P.M. ist eine populärwissenschaftliche Zeitschrift und hat eine Auflage von ca. 163.000 Exemplaren. Der Titel des sechsseitigen Beitrags – neben dem Interview finden sich noch Informationen zu Oliver Bendel und zu den Robotikgesetzen von Isaac Asimov – lautet „Ich würde das Auto ein bisschen dumm lassen“. Der Informationsethiker und Maschinenethiker kann sich vorstellen, dass Autos klug genug sind, für bestimmte Tiere zu bremsen, wenn die Luft rein ist, sie aber zu dumm dafür sind, Menschen zu qualifizieren, auf ihre Eigenschaften zu schauen, um sie dann bei einem Unfall zu verschonen oder nicht zu verschonen, was man wiederum als klug bezeichnen könnte, da es keine befriedigenden Lösungen für solche Entscheidungen gibt. Auch das Quantifizieren ist, zumindest bei kleinen Zahlen, nicht angemessen. Warum sollte jemand getötet werden, nur weil zwei Passanten in der Nähe stehen? Kaum jemand würde das akzeptieren, der Betroffene nicht, die Familie nicht, die Freunde nicht. Die zwei Passanten wären natürlich aufgeschlossener für solche Abwägungen, aber auch nur, wenn sie zusammen unterwegs sind und nicht alleine, was wiederum die Ungerechtigkeit zeigt. Solche Gedankenspiele dürfen nicht mit der Wirklichkeit verwechselt werden. Sie sind aber ein klassisches Mittel, um Grundannahmen und Widersprüche zu erkennen und am Ende die Wirklichkeit auch gestalten zu können.

Abb.: Wie entscheidet das Auto, wenn man es lässt?

AI for the Social Good

Vom 27. bis 29. März 2017 finden die AAAI 2017 Spring Symposia statt. Veranstaltet werden sie von der Association for the Advancement of Artificial Intelligence, in Kooperation mit dem Department of Computer Science der Stanford University. Das Symposium „AI for the Social Good“ an der Stanford University widmet sich auch Themen der Roboter- und der Maschinenethik. Auf der Website heißt es: „A rise in real-world applications of AI has stimulated significant interest from the public, media, and policy makers, including the White House Office of Science and Technology Policy (OSTP). Along with this increasing attention has come media-fueled concerns about purported negative consequences of AI, which often overlooks the societal benefits that AI is delivering and can deliver in the near future. This symposium will focus on the promise of AI across multiple sectors of society.“ (Website AISOC) In einer Talk Session spricht Oliver Bendel über „LADYBIRD: the Animal-Friendly Robot Vacuum Cleaner“. In der Lightning Talks Session ist er nochmals vertreten, mit dem Vortrag „Towards Kant Machines“. In der gleichen Session referiert Mahendra Prasad über „A Framework for Modelling Altruistic Intelligence Explosions“ (vorangestellt ist der Titel „Back to the Future“), und Thomas Doherty geht der Frage „Can Artificial Intelligence have Ecological Intelligence?“ nach. Das ganze Programm kann über scf.usc.edu/~amulyaya/AISOC17/papers.html aufgerufen werden.

Abb.: LADYBIRD ist auf Marienkäfer spezialisiert

Ethically Aligned Design

Die Mitglieder der IEEE Global Initiative haben im Dezember 2016 ihre ersten Ergebnisse vorgelegt. „Ethically Aligned Design, Version 1“ ist online verfügbar. „A Vision for Prioritizing Human Wellbeing with Artificial Intelligence and Autonomous Systems“, so der Untertitel, wird entworfen. In der Executive Summary heißt es: „To fully benefit from the potential of Artificial Intelligence and Autonomous Systems (AI/AS), we need to go beyond perception and beyond the search for more computational power or solving capabilities. We need to make sure that these technologies are aligned to humans in terms of our moral values and ethical principles. AI/AS have to behave in a way that is beneficial to people beyond reaching functional goals and addressing technical problems. This will allow for an elevated level of trust between humans and our technology that is needed for a fruitful pervasive use of AI/AS in our daily lives.“ Zu den Mitgliedern des Komitees „Classical Ethics in Information & Communication Technologies“ gehören Rafael Capurro, Wolfgang Hofkirchner und Oliver Bendel, um nur diejenigen zu nennen, die im deutschsprachigen Raum angesiedelt sind. Das zweite Treffen der IEEE Global Initiative findet am 5. Juni 2017 in Austin (Texas) statt. Beim „Symposium on Ethics of Autonomous Systems (SEAS North America)“ wird eine zweite Version des Dokuments erarbeitet.

Abb.: Das Symposium findet an der University of Texas statt

Wenn Maschinen denken

Die Oesterreichische Kontrollbank Aktiengesellschaft widmet die aktuelle Ausgabe von RELEVANT (4/2016) der Künstlichen Intelligenz. „Wenn Maschinen denken“ heißt der Schwerpunkt. Im Inhaltsverzeichnis wird Appetit auf das Thema gemacht: „Erst lernten Computer das Rechnen, nun lernen sie Autos zu fahren, Forschungshypothesen aufzustellen und Steuersünder zu finden – besser als wir Menschen. Sind dadurch unsere Arbeitsplätze in Gefahr?“ (RELEVANT, 4/2016) Im Magazin finden sich u.a. Interviews mit dem Informatiker Stefan Woltran (TU Wien und Universität Leipzig) und dem Maschinenethiker Oliver Bendel (Hochschule für Wirtschaft FHNW). „Die Oesterreichische Kontrollbank Aktiengesellschaft (OeKB) ist Österreichs zentraler Finanz- und Informationsdienstleister für Exportwirtschaft und Kapitalmarkt. Ihre speziellen Services stärken den Standort Österreich und unterstützen die Wirtschaft im globalen Wettbewerb. Die vielfältigen Dienstleistungen stehen Unternehmen und Finanzinstitutionen sowie Einrichtungen der Republik Österreich zur Verfügung.“ (Website OeKB) Das gesamte Heft kann hier heruntergeladen werden.

Abb.: Wenn Maschinen denken

Am Vergewaltigen kein emotionales Interesse

Ein langes Interview mit dem Informations- und Maschinenethiker Oliver Bendel hat Jennifer Appel von der internationalen Agentur Maisberger geführt. Die erste Frage lautet: „Roboter werden immer intelligenter. Wie sehen Sie diese Entwicklung? Wird unser Leben leichter oder müssen wir am Ende doch befürchten, dass uns das Ruder aus der Hand genommen wird?“ Die Antwort: „Roboter können uns unterstützen, etwa bei schweren körperlichen Tätigkeiten, und damit unserer Gesundheit zuträglich sein. Beispielsweise drücken sie bereits heute als Leichtbauroboter in einem Autowerk in Spartanburg die Türdichtung in eine Autotür, übrigens direkt neben dem Arbeiter, der leichteren Aufgaben nachgehen darf und dessen Handgelenk geschont wird, oder helfen dem Pfleger, einen Patienten umzubetten. Roboter können uns auch ersetzen. Die Industrie 4.0 baut geradezu auf die möglichst vollständige Substitution von Menschen in der Produktion. Das Ruder in der Hand behält der Manager. Aus der Hand nehmen es uns manche Softwareroboter und KI-basierte Programme, die uns als Verdächtige einstufen oder unsere Kreditwürdigkeit beurteilen. Dass Roboter die Weltherrschaft übernehmen, wie manche glauben, dürfte unwahrscheinlich sein.“ Auch um den Kampfroboter geht es; bereits in der Überschrift heißt es über ihn: „… am Vergewaltigen hat er zumindest kein emotionales Interesse“. Dennoch lehnt Oliver Bendel seinen Einsatz ab. Das ganze Interview kann seit Dezember 2016 über http://www.maisberger.de nachgelesen werden.

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Abb.: Ritter oder Roboter?

Watson for President

In den letzten Monaten konnte man immer wieder die Aussage hören, ein Roboter oder eine KI-Einheit würde ein besserer Präsident sein als die amtierenden oder kandidierenden Personen es sind oder wären. Ein Roboter hätte nicht den religiösen Habitus eines Joachim Gauck und nicht den weltlichen Wahn eines Donald Trump. Eine KI-Einheit wie IBM Watson könnte rational und auf der Grundlage aller verfügbaren Fakten entscheiden. Überlegungen in dieser Richtung stellt auch eine amerikanische Stiftung an. Auf ihrer Website schreibt sie: „The Watson 2016 Foundation is an independent organization formed for the advocacy of the artificial intelligence known as Watson to run for President of The United States of America. It is our belief that Watson’s unique capabilities to assess information and make informed and transparent decisions define it as an ideal candidate for the job responsibilities required by the president.“ (Website The Watson 2016 Foundation) Sie stellt auch klar: „The Watson 2016 Foundation has no affiliation with IBM. The views and opinions expressed here in no way represent the views, positions or opinions – expressed or implied – by IBM or anyone else.“ (Website The Watson 2016 Foundation) Natürlich sind schnell Nachteile eines KI-Präsidenten zu erkennen. Er kann fehlerhaft sein, gehackt und manipuliert werden, er macht abhängig von den Betreibern, und er kann die symbolische Wirkung eines Präsidenten nicht erreichen, was allerdings auch als Vorteil gewertet werden kann. Ein künstlicher Präsident müsste nicht nur als komplexe politische, sondern auch als komplexe rechtliche und moralische Maschine gestaltet werden. Dies wiederum fällt in den Gegenstandsbereich von Roboterrecht und Maschinenethik. Manche Maschinenethiker lehnen komplexe moralische Maschinen ab und bevorzugen einfache. Weitere Informationen über http://watson2016.com/.

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Abb.: Echt oder KI?

Workshop on Robotics and Artificial Intelligence

„Artificial intelligence (AI) raises a number of ethical and political challenges in the present and near term, with applications such as driverless cars and search engines and potential issues ranging from job disruption to privacy violations. Over a longer term, if AI becomes as or more intelligent than humans, other governance issues such as safety and control may increase in importance. What policy approaches make sense across different issues and timeframes?“ (Website European Parliament) These are the initial words of a description of the workshop „Robotics and Artificial Intelligence – Ethical Issues and Regulatory approach“, organised by the Policy Department of the European Parliament. The first part „will focus on basic ethical and policy questions raised by the development of robotics and AI on the basis of presentations by experts“ (Website European Parliament). According to the description, this will be followed by a discussion with national parliamentarians on what the legislator should do and on which level, with the European Parliament’s draft legislative initiative report on „Civil Law Rules on Robotics“ as a basis. Further information can be found on the European Parliament’s website (www.europarl.europa.eu).

Partnership on Artificial Intelligence

Fünf IT-Konzerne haben angekündigt, dass sie ihre Forschung im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) bündeln wollen. Google, Amazon, Facebook, IBM und Microsoft haben die „Partnership on Artificial Intelligence to Benefit People and Society“ gegründet. Die Süddeutsche schreibt dazu: „Man könnte nun eine Weltverschwörung des Silicon Valley vermuten. Immerhin handelt es sich hier um die fünf Konzerne, die international die größten Datenbanken und damit das Gros der globalen Datensätze besitzen. In Wahrheit ist die Gründung jedoch ein historischer Schritt, denn die Partnerschaft für künstliche Intelligenz soll vor allem garantieren, dass die Konzerne gemeinsame ethische Richtlinien für die Entwicklung künstlicher Intelligenz finden.“ (Süddeutsche Zeitung, 29. September 2016) Es fehlen bislang Apple sowie die von Elon Musk geleitete Non-Profit-Organisation namens OpenAI. Gerade letzterer würde man sowohl eine gesellschafts- und benutzerbezogene Reflexion der Chancen und Risiken von Robotik und eine Erstellung von Moralkodizes für die Entwicklung von Robotern (Informationsethik und Roboterethik) als auch eine zielführende Integration von Entscheidungsmechanismen in die Maschinen (Maschinenethik) zutrauen. Nicht nur die Wirtschaft widmet sich Möglichkeiten der Regulierung, sondern auch Arbeitsgruppen der IEEE (Global Initiative Classical Ethics) mit Mitgliedern wie Jared Bielby, Rafael Capurro und Oliver Bendel sowie des Europäischen Parlaments. So wurde im Mai 2016 der Initiativbericht zu zivilrechtlichen Regelungen im Bereich der Robotik von der luxemburgischen Berichterstatterin Mady Delvaux-Stehres vorgelegt.