Wenn das Plektron die Kithara schlüge

Aristoteles betonte in seiner „Politik“ (ca. zwischen 335 und 322 v.u.Z.) das Potenzial des Werkzeugs, zum Automaten zu werden: „Wenn nämlich jedes einzelne Werkzeug auf einen Befehl hin, oder einen solchen schon voraus ahnend, seine Aufgabe erfüllen könnte, (…) wenn also auch das Weberschiffchen so webte und das Plektron die Kithara schlüge, dann bedürften weder die Baumeister der Gehilfen, noch die Herren der Sklaven.“ Diese Überlegung war keineswegs der Fantasie entsprungen. Schon in der griechischen Antike gab es Ansätze zur Automatisierung. Philon von Byzanz beschrieb im 3. Jahrhundert v.u.Z. eine mechanische Dienerin, die einem Gast selbständig Wein und Wasser einschenken konnte, Heron von Alexandria im 1. Jahrhundert n.u.Z. kleine Tempeltüren, die sich durch die Wärme eines Altarfeuers automatisch öffneten, und ein mechanisches Theater, dessen Figuren nach einem vorgegebenen Programm agierten. Vermutlich wurden mehrere Erfindungen tatsächlich umgesetzt. Die Ingenieure der Antike beherrschten also Zahnräder, Ventile, Hydraulik, Pneumatik und mechanische Steuerungen. Warum aber eroberten ihre Automaten nicht die Welt? Es fehlte weniger an Erfindungsgeist als an leistungsfähigen Energiequellen, präziser Massenfertigung und wirtschaftlichen Anreizen, menschliche Arbeit systematisch durch Maschinen zu ersetzen. Die Verfügbarkeit von Sklaven dürfte dabei eine Rolle gespielt haben, erklärt die ausbleibende Mechanisierung aber nicht allein. Im 18. Jahrhundert hatte die Automatenkunst mit mechanischen Musikern, Schreibern und Zeichnern sowie künstlichen Tieren – man denke an die Ente von Jacques de Vaucanson, der noch zahlreiche Mitglieder dieser Art folgten – einen neuen Höhepunkt, wobei bereits im 15. Jahrhundert Leonardo da Vinci eindrucksvolle Anleitungen vorgelegt hatte. Im späten 19. Jahrhundert erlebten mechanische Automaten der schöngeistigen Art eine weitere Blüte. Auf Jahrmärkten spielten selbsttätige Orgeln, begleitet von beweglichen Figuren, die Musikinstrumente zu bedienen schienen. Die industrielle Mechanisierung hatte bereits im 18. Jahrhundert begonnen, die Elektrifizierung der Produktion im 19. Jahrhundert. Doch erst im 20. Jahrhundert, mit Elektrizität, Elektronik und Computertechnik, trat eine grundlegende Wende ein. Die antike Idee der automatischen Verrichtung begann nun die moderne Arbeitswelt in jeder Hinsicht zu verändern.

Abb.: Die Illustration eines Roboterpferds