Mit Robotern zusammenwohnen

In der Sonderbeilage „Wohnen“ der Sonntagszeitung vom 12. April 2026 kommt Prof. Dr. Oliver Bendel zu Wort. Der Technikphilosoph forscht zu sozialen Robotern und Servicerobotern. Seit 2024 hat er auch mehrere Artikel zu Allzweckrobotern geschrieben, die als Vorformen von echten universellen Robotern gelten. Diese werden oft fälschlicherweise mit humanoiden Robotern gleichgesetzt, zu denen beispielsweise Pepper und Alpha Mini gehören. Allzweckroboter wie Digit, Apollo und Figure 03 sind in Fabriken mit sehr eingeschränkten Tätigkeiten zu finden. Figure 03 und NEO sind unter anderem wegen ihrer textilen Oberfläche interessant und dafür gedacht, sich in Haushalten nützlich zu machen. Oliver Bendel glaubt, dass dies in zwei Wellen erfolgen könnte. Zunächst werden Tausende Exemplare verkauft, die dann in realen Umgebungen lernen. Nach den entsprechenden Fortschritten könnten womöglich Millionen von Exemplaren ausgeliefert werden. Dem könnten allerdings Sicherheitsrisiken und Datenschutzprobleme sowie Akzeptanz- und Platzprobleme entgegenstehen. Einst gab es die Vision, dass in jedem Haushalt ein Computer stehen würde. Daraus wurden mehrere in unterschiedlichen Formen. Ob soziale Roboter und Serviceroboter ein ähnliches Schicksal teilen werden, wird die Zukunft zeigen.

Abb.: NEO (Foto: 1X/Courtesy of 1X)

Pflegeroboter in der Sonntagszeitung

Oliver Bendel wurde im Februar 2024 von der Sonntagszeitung zu Pflegerobotern befragt. Zunächst ging er auf die bekannten Beispiele von Pflegerobotern und Robotern in der Pflege ein und erwähnte Lio und Navel. An einer Stelle blickte der Technikphilosoph in die Zukunft der Pflege: „Irgendwann werden sich universelle Roboter durchsetzen, auch Allzweckroboter genannt. Es gibt heute schon Vierbeiner für 1800 Dollar. Damit meine ich den Unitree Go2, den ich selbst in meinem privaten Social Robots Lab habe. Wenn man die fortgeschrittenen Varianten von ihm haben will, zahlt man allerdings bis zum Zehnfachen des Preises. Die Zweibeiner, die beliebige Arbeiten verrichten können, kosten nochmals wesentlich mehr, der Unitree H1 um die 90.000. Dafür kann man aber solche Roboter in ganz verschiedenen Bereichen einsetzen.“ Dazu gehört dann eines Tages auch die Pflege. Oliver Bendel veröffentlichte 2018 als Herausgeber das Buch „Pflegeroboter“. Es entwickelte sich schnell zum Standardwerk und kann heute auf SpringerLink fast eine halbe Million Downloads vorweisen. Der Artikel ist am 17. März 2024 unter dem Titel „Die PflegeroboLioter werden es richten, aber nicht so bald“ erschienen.

Abb.: Der Pflegeroboter Lio von F&P Robotics

Artificial Love

Ayanda Rogge ist Doktorandin bei Prof. Dr. Sven Engesser und Prof. Dr. Oliver Bendel. Sie arbeitet seit Herbst 2019 als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Medien und Kommunikation der TU Dresden. Ihre Forschungsschwerpunkte sind post- und transhumanistische Entwicklungen wie emotional intelligente Maschinen und Mensch-Roboter-Interaktion – mit besonderem Fokus auf die Gestaltung von Mensch-Maschine-Kommunikation und anthropomorphem Framing. In ihrer Dissertation untersucht sie Kommunikationskomponenten, die zu einer höheren Interaktionsrate zwischen Mensch und Maschine in sozialen Kontexten führen. Dabei untersucht sie auch Liebespuppen mit erweiterten Funktionen und eigentliche Sexroboter. Für das Buch „Maschinenliebe“ (Hrsg. Oliver Bendel) hat sie gleich zwei Beiträge verfasst, einen mit einer Marktübersicht und einen mit einer psychologischen Studie mit Blick auf diverse Anwendungsgebiete. In der Sonntagszeitung vom 13. Dezember 2020 gibt sie Auskunft zu ihrer Forschung und Einschätzungen zu Problemgebieten. In einem Infokasten wird auch der genannte Band erwähnt, der Ende Oktober 2020 herausgekommen ist und über Springer bezogen werden kann. Der Artikel kann ab dem 20. Dezember 2020 kostenlos als PDF heruntergeladen werden.

Abb.: Artificial love