Zur Zweckentfremdung von Robotern

„Roboter konnten schon immer zweckentfremdet werden. Je mehr sie aber vermögen, je mehr Instrumente sie haben, je mehr sie zu Generalisten werden, desto eher scheinen sie auch für Anwendungen geeignet zu sein, für die sie nicht vorgesehen waren. Und je mehr sich Roboter verbreiten, desto mehr sind sie auch Menschen zugänglich und ausgeliefert, die sie in vielfältiger Weise ge- und missbrauchen können.“ Mit diesen Worten beginnt ein Gastbeitrag von Oliver Bendel, Professor an der Hochschule für Wirtschaft der FHNW, in der ICTkommunikation vom 5. September 2016. Weiter heißt es: „Immer wieder werden Beispiele für eine tatsächliche oder angestrebte bzw. abgelehnte Umwidmung der Maschinen bekannt. Der vorliegende Artikel definiert die Begriffe der in diesem Kontext vor allem in Frage kommenden Service- und Spielzeugroboter und geht auf Zweckentfremdungen ein, die besonders diskussionswürdig und zukunftsträchtig scheinen. Auch Softwareroboter wie Social Bots und Chatbots wären darstellungswürdig, sollen hier aber ausgeklammert werden.“ Es wird u.a. die Perspektive der Maschinenethik eingenommen: „Diese fragt nach der Möglichkeit maschineller Moral, und zusammen mit Robotik und Künstlicher Intelligenz konzipiert und konstruiert sie moralische Maschinen. Auch unmoralische Maschinen können aus ihr heraus entstehen, und eine Möglichkeit der Zweckentfremdung wäre, eine moralische Maschine durch Umprogrammierung oder einen feindlichen Angriff in eine unmoralische zu transformieren.“ Der Beitrag kann über ictk.ch/inhalt/die-zweckentfremdung-von-robotern abgerufen werden.

Robotangel

Abb.: Noch hochgetunt oder schon zweckentfremdet?

Diskussionspapier zur Künstlichen Intelligenz

„Die Stiftung für Effektiven Altruismus (EAS; vormals GBS Schweiz) führte am heutigen Donnerstag eine Medienkonferenz zum Thema ‚Künstliche Intelligenz: Chancen und Risiken‘ durch. Anlass war das von der Stiftung verfasste politische Diskussionspapier …, das von drei der sechs Mitautoren im Technopark Zürich vorgestellt wurde.“ Dies meldet der Humanistische Pressedienst am 12. November 2015. Auf der zweiten Seite von „Künstliche Intelligenz: Chancen und Risiken“ steht geschrieben: „Wir bedanken uns bei all jenen, die uns bei der Recherche oder beim Verfassen des Diskussionspapiers behilflich waren. Besonders hervorzuheben sind hierbei Kaspar Etter und Massimo Mannino für ihre Ratschläge zum Aufbau des Papiers; Prof. Oliver Bendel für Anstöße zum Kapitel ‚Vorteile und Risiken gängiger KIs‘; und Prof. Jürgen Schmidhuber für Inputs zu den Kapiteln ‚Generelle Intelligenz und Superintelligenz‘ und ‚Künstliches Bewusstsein‘, sowie für seine Inputs zum aktuellen Forschungsstand verschiedener KI-Bereiche.“ Der Informations- und Maschinenethiker Oliver Bendel sieht sich nicht als Vertreter des effektiven Altruismus und lehnt auch Rechte für Roboter ab, die in dem Papier angedacht werden. Er begrüßt aber die Diskussion, die durch die Stiftung angestoßen wird, und findet die angestellten Überlegungen in hohem Maße interessant und wichtig. Das Diskussionspapier kann hier heruntergeladen werden.

KI

Abb.: Wohin dreht sich die KI?

Rethinking Machine Ethics

Ein Call for Chapters zum Thema „Rethinking Machine Ethics in the Age of Ubiquitous Technology“ richtet sich u.a. an Philosophen, Informatiker, Robotiker und KI-Experten. Herausgeber des Buchs wird Jeffrey White vom Korean Advanced Institute of Science and Technology (KAIST) sein. Die Ziele werden auf der Website www.igi-global.com wie folgt beschrieben: „The present volume aims to bind together forward-looking constructive and interdisciplinary visions of moral/ethical ideals, aims, and applications of machine technology, either as extensions of ongoing engineering research or as theoretical approaches to moral/ethical problems employing machine ethics resources within the vast moral landscape confronting machine ethics researchers.“ Ein Abstract muss bis zum 28. Februar 2014 eingereicht werden. Weitere Informationen direkt über www.igi-global.com/publish/call-for-papers/call-details/1227.

GOODBOT-Projekt gestartet

Viele Benutzer mögen Chatbots auf Websites und unterhalten sich gerne mit ihnen. Dabei spielen Produkte und Dienstleistungen meist eine untergeordnete Rolle. Man will das virtuelle Gegenüber ausfragen, mit ihm flirten, es necken und reizen. Wenn man in Schwierigkeiten steckt, will man eine Antwort erhalten, die einen nicht noch mehr entmutigt und verstört. Die meisten Bots sind in dieser Hinsicht völlig überfordert. Auf Selbstmorddrohungen oder Ankündigungen von Amokläufen reagieren sie inadäquat. In einem Projekt an der Hochschule für Wirtschaft der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW wird unter der Leitung von Oliver Bendel eine moralische Maschine besonderer Art, nämlich ein sogenannter GOODBOT, konzipiert und prototypisch implementiert. Zunächst werden theoretische Grundlagen im Kontext der Maschinenethik erarbeitet. Es interessiert unter anderem, welche normativen Modelle maschinell verarbeitbar sind. Dann werden ausgewählte Chatbots auf Websites sowie Sprachassistenten wie Siri analysiert und verglichen sowie Erkenntnisse zu Systemen solcher Art gewonnen. Ein vorhandener Regelkatalog soll daraufhin überprüft werden, ob er in einem regelbasierten System umgesetzt bzw. wie er angepasst werden kann. Nicht nur Top-down-, sondern auch Bottom-up-Ansätze sollen erwogen werden. Zudem ist relevant, inwieweit soziale Medien und leibhaftige Menschen moralische Referenzpunkte bilden können. Das Projekt hat im Juni 2013 begonnen. Informationen zum Initiator und Projektleiter über http://www.fhnw.ch/personen/oliver-bendel.

Abb.: (Ro-)Bots müssen gut zu Menschen sein